Österreichs Handballer: "Vogel wild"

10. Jänner 2017, 19:08
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Österreich steckt gegen Deutschland ein ordentliches Debakel weg, sammelt Erfahrung und hält an den Zielen fest

Kassel/Wien – Ein 16:33 im Handball entspricht, Daumen mal Pi, einem 1:6 im Fußball, doch Martin Hausleitner hat "gut geschlafen". Der Generalsekretär des Handballbunds (ÖHB) konnte und kann mit dem Debakel des Nationalteams gegen Deutschland in Kassel umgehen. "Wir haben halt nicht mehr die Mannschaft, die wir hatten." Seit dem knappen Achtelfinal-Aus bei der WM 2015 gegen Gastgeber Katar kam dem Team viel Routine abhanden, so haben etwa Viktor Szilagyi, Vitas Ziura und Max Wagesreiter aufgehört. "Wir sind im Umbau", sagt Hausleitner. "Deutschland ist nicht unser Maßstab."

Die Deutschen haben sich unter Österreichs Ex-Teamchef Dagur Sigurdsson enorm entwickelt und 2016 den EM-Titel sowie Olympia-Bronze geholt. Sie zählen bei der WM ab Mittwoch in Frankreich zu den Topfavoriten. Österreich hat sich nicht qualifiziert und kämpft darum, international Anschluss zu halten.

In der Quali für die EM 2018 in Kroatien stehen eine Heimniederlage gegen Finnland und ein Sieg in Bosnien-Herzegowina zu Buche. Im Mai steigen die Duelle mit Gruppenfavorit Spanien, im Juni entscheiden die Rückspiele gegen die Finnen und Bosnier über Platz zwei und die EM-Teilnahme. Hausleitner ist "sehr zuversichtlich". Gegen Deutschland fehlten die Stammspieler Max Hermann und Robert Weber, zudem gab Teamchef Patrekur Jóhannesson nach der Pause (11:17) vielen jungen Spielern eine Chance. Hausleitner sagt, da habe es "Vogel wild" gespielt, heißt: wenig Ruhe, viele Ballverluste, hastige Würfe. Kiel-Legionär Nikola Bilyk, der zu Beginn herausstach und vor der Pause sieben Tore erzielt hatte, traf danach nur einmal – weil er kaum noch spielte.

Die Österreicher wollen weiterhin Erfahrung sammeln, ab Donnerstag treten sie beim Turnier in der Südstadt gegen Tschechien und zweimal gegen die Schweiz an. Die EM 2020 findet in Österreich (und Schweden und Norwegen) statt, alle drei Gastgeber sind fix dabei. "Das ist das Fernziel und unser Anker", sagt Hausleitner, der das Team freilich "schon viel früher wieder hochgradig wettkampffähig" sehen will. Auch wenn er schläft, wie er schläft. (Fritz Neumann, 10.1.2017)

  • Österreichs Handballer (re. Raul Santos) sind in Kassel nicht so recht abgehoben.
    foto: apa/dpa/marijan murat

    Österreichs Handballer (re. Raul Santos) sind in Kassel nicht so recht abgehoben.

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