Kronzeugen und FBI belasten VW schwer

10. Jänner 2017, 18:43
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Aussagen, wonach die Konzernspitze über die Manipulation der Dieselmotoren informiert gewesen sei, bringen VW in neue Bedrängnis

Brüssel/Wien – In der Abgasaffäre bei Volkswagen werden der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn und das heutige Vorstandsmitglied Herbert Diess nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung" ("SZ"), NDR und WDR schwer belastet. Zwei VW-Beschäftigte aus dem mittleren Management haben als Kronzeugen bei der US-Justiz ausgesagt, Winterkorn und Diess seien Ende Juli 2015 über die Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen in den USA informiert worden.

Womöglich hätten hochrangige VW-Manager versucht, den Dieselskandal sogar noch kurz vor seinem Auffliegen zu vertuschen. Das geht nach Informationen der US-Justiz aus einer am Montagabend vom zuständigen US-Gericht in Detroit veröffentlichten Strafanzeige gegen einen leitenden VW-Angestellten hervor. Er war der Leiter des VW-Technik- und Umweltbüros und wurde kürzlich verhaftet.

Der Mann habe zu einer Gruppe von Mitarbeitern gehört, die das Management bei einem Treffen am 27. Juli 2015 über die Risiken des Betrugs informierten. Statt die Aufklärung des Falles gegenüber den bereits unter Hochdruck gegen VW ermittelnden US-Behörden anzuordnen, habe die Konzernführung die Mitarbeiter dazu autorisiert, die Tricksereien weiterhin unter den Teppich zu kehren.

Die Ermittler stützen sich auf die eidesstattliche Erklärung eines FBI-Agenten und Aussagen mehrerer VW-Insider, die als Zeugen mit der US-Bundespolizei FBI kooperieren. Am 18. September 2015 war der Skandal aufgeflogen, nachdem die US-Umweltbehörden ihre Vorwürfe gegen VW öffentlich gemacht hatten.

Einer der aufgeführten Zeugen behauptet, sich mit der Entscheidung, den Abgasbetrug letztlich zuzugeben, über die Anweisungen seiner Abteilungsleitung hinweggesetzt zu haben. Laut "SZ" gibt es bereits fünf frühere VW-Leute, die als Kronzeugen fungieren. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich nicht zu den neuen Anschuldigungen äußern. (red, 10.1.2017)

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