Japaner lieben "Natural Wines"

24. Jänner 2017, 09:50
8 Postings

In Japan findet man immer mehr Gefallen an puristischen Weinen. Beste Qualität wird dabei vorausgesetzt

Bis vor einigen Jahren waren Japaner ganz wild auf Weine aus dem Bordeaux. Hauptsache bekannt und teuer. Inzwischen haben die Chinesen den fragwürdigen Part übernommen und blechen willig obszöne Summen für Bordelaiser Gewächse – die großen Châteaus danken es ihnen mit zunehmend charakterlosen Weinen.

Japanischen Weintrinkern ist das offenbar zu eintönig geworden – dafür haben sie ihre Liebe zu "Natural Wines" entdeckt. In den besten Schuppen des Landes wimmelt es nur so von Weinen, die nicht nur ohne Gift im Weingarten, sondern auch ohne Tricksereien im Keller auskommen. Japanische Gaumen sind stets auf der Suche nach intensiven, unverfälschten Aromen. Vor allem Weine ohne Schwefelzugabe, die sich geschmacklich besonders pur und unmittelbar zeigen, haben es ihnen angetan.

Panikattacken ob ungewohnter Aromen kennt man in Japan nicht. Ideologischer Kram interessiert hier niemanden. Die einzige Religion, der man sich verpflichtet fühlt, ist die höchster Produktqualität. Auch maischevergorene Weine stehen hoch im Kurs: Ihre feinwürzigen Aromen ähneln der Geschmacksrichtung "umami" und passen perfekt zu der subtilen Küche. Wer will schon hochgetunte Industrieweine mit Vanille-Kokos-Aromen zu feinstem Yellowtail-Makrelen-Sashimi? Japaner streiten nicht über Geschmack. Sie haben ihn. (Christina Fieber, RONDO, 24.1.2017)

Weiterlesen:

Trend zu Biowein auch im Bordeaux

Pet Nat: Der neue Prosecco

  • Japanische Gaumen sind stets auf der Suche nach intensiven, unverfälschten Aromen.
    foto: reuters / toru hanai

    Japanische Gaumen sind stets auf der Suche nach intensiven, unverfälschten Aromen.

Share if you care.