Spanien hat es mit der nächsten Sorgenbank zu tun

10. Jänner 2017, 17:52
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Bankia wird von Analysten als Favoritin für die Übernahme der maroden Banco Popular gehandelt

Spaniens Bankensektor steht vor massiven Umwälzungen. Die in Schieflage geratene Banco Popular ist mit einer Ende 2016 bekanntgemachten Verlustprognose von mindestens 2,7 Milliarden Euro kaum allein überlebensfähig, wie sich Analysten einig sind.

Selbst der drastische Sparkurs, der in der Entlassung von rund 3000 Angestellten und der Schließung von 300 der unrentabelsten Filialen gipfelte, schuf keine Abhilfe. Nun sägen spekulative Fonds wie AQR Capital oder Marshall Wace am wackeligen Fundament der 1926 gegründeten und nach Aktiva sechstgrößten spanischen Bank. Wie die Wirtschaftszeitung Expansión berichtet, halten Baissespekulanten fast zehn Prozent der Banco-Popular-Titel.

Als Favoritin für die Übernahme der Banco Popular handelt Ignacio Cerezo, Analyst der Schweizer Großbank UBS, ausgerechnet die Bankia: "Es ist das einzige spanische Kreditinstitut, das daraus bis 2018 Gewinn schlagen könnte." Allerdings müssten für eine Übernahme wohl an die fünf Milliarden Euro lockergemacht werden. 2012 war Bankia selbst noch mit 24 Milliarden Euro gerettet worden, eine der größten Notverstaatlichungen der Wirtschaftskrise.

Wie Cerezo einräumt, würde eine Fusion jedoch "nicht vor Juni" über die Bühne gehen, da der spanische Staat noch zwei Drittel der Bankia-Aktien hält und Bankia heuer noch den maroden Sparkassenbund Banco Mare Nostrum (BMN) integrieren wird.

Bei der Banco Popular zieht man derweil ein Ass aus dem Ärmel. Ab Februar wird nämlich Emilio Saracho im Chefsessel Platz nehmen. Nach 25 Jahren bei JPMorgan, zuletzt als weltweiter Vizedirektor, genießt der Vollblutbanker in der Finanzbranche höchste Anerkennung.

Allein das Bekanntwerden seiner Berufung verhalf der Banco-Popular-Aktie zu einem Kurssprung von 13 Prozent. Nicht undenkbar, dass Saracho der Coup gelingt, und er die Unabhängigkeit bewahrt. Voraussetzung dafür ist allerdings eine neuerliche Kapitalerhöhung von mindestens 2,5 Mrd. Euro. Die jüngste gab es erst im Mai 2016, zur Deckung von Altlasten aus dem Immobilienboom. (Jan Marot aus Granada, 10.1.2017)

  • Auf Spaniens Finanzmarkt steht eine Fusion an.
    foto: reuters / medina

    Auf Spaniens Finanzmarkt steht eine Fusion an.

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