Patienten in Bodennähe statt im Bett behandelt

10. Jänner 2017, 17:25
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Aus Mangel an Betten und Tragbahren mussten Patienten in einem Krankenhaus der kampanischen Kleinstadt Nola mit Matratzen auf dem Boden vorliebnehmen

Rom – Italiens Regierung muss sich mit katastrophalen Zuständen im süditalienischen Gesundheitswesen befassen. Das Gesundheitsministerium entsendete die Polizei zu Kontrollen im Krankenhaus der kampanischen Kleinstadt Nola nahe Neapel nachdem berichtet wurde, Patienten seien in der Notaufnahme des Spitals am Samstag auf Matratzen, die auf den Fußboden gelegt wurden, behandelt worden.

Weder Betten noch Tragbahren standen in dem Krankenhaus mit 107 Plätzen am Wochenende zur Verfügung. Der Präsident Kampaniens, Vincenzo De Luca, leitete Maßnahmen zur Kündigung der Verantwortlichen des Krankenhauses ein.

Anzeige und Sammelklage

Der Direktor des Spitals, Andrea De Stefano, verteidigte sich: "Wir haben die Patienten auf dem Fußboden behandelt, anstatt ihnen überhaupt keine Behandlung zu bieten". Am Samstag sei es zu einer Überbelastung des Krankenhauses mit den lediglich 107 Betten gekommen, das einem Großraum mit 600.000 Menschen diene, so De Stefano.

Der Konsumentenschutzverband "Noiconsumatori" kündigte eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und eine Sammelklage mit Forderung auf Schadenersatz für die Patienten an, die auf dem Boden behandelt wurden. Im Spital in Nola seien fundamentale Menschenrechte verletzt worden. "Patienten und ihre Angehörigen sind gedemütigt worden", sagte der Sprecher des Konsumentenschutzverbands Angelo Pisani. (APA, 10.1.2017)

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