Jared Kushner als stilistisches Kontrastprogramm zu Trump

Porträt10. Jänner 2017, 18:02
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Kushner wird dem designierten US-Präsidenten künftig als Berater zur Seite stehen – Bereits im Wahlkampf galt er als einer von Trumps engsten Vertrauten

Es gibt manches, was Jared Kushner mit Donald Trump gemein hat. So wie der junge Trump einst nach Manhattan strebte, heraus aus dem damals eher langweiligen Brooklyn, wo sein Vater langweilige Mietshäuser baute, zog es auch den jungen Kushner auf die Wolkenkratzerinsel mit ihrem Glamour. 2007 kaufte er einen Büroturm an der Fifth Avenue, er war gerade einmal 26 Jahre alt und wollte es seinem Vater beweisen, einem Baulöwen, der sich ein Geschäftsleben lang auf New Jersey konzentriert hatte, den Bundesstaat vor den Toren New Yorks, über den die Elite Manhattans nur spöttisch lächelt.

1,8 Milliarden Dollar zahlte Kushner für das Gebäude mit der Adresse 666 Fifth Avenue. Der Großteil des Geldes war geliehen, zunächst sah es so aus, als hätte er in seinem Überschwang einen teuren Fehler gemacht: Kaum war der Deal unter Dach und Fach, platzte die Immobilienpreisblase. Andererseits war der Junge aus New Jersey von da an ein ernst zu nehmender Investor in Manhattan, der nunmehr wie selbstverständlich in den Kreisen der New Yorker Gesellschaft verkehrte. Irgendwann lernte er Ivanka Trump kennen, übrigens vermittelt von Wendi Deng, der damaligen Frau des Medienmagnaten Rupert Murdoch. 2009 heirateten die beiden. Zuvor war Ivanka für Jared, den Enkel von Holocaust-Überlebenden aus Polen, zum jüdischen Glauben übergetreten.

Unterschiedliche Temperamente

Später, als die älteste Tochter Trumps im Wahlkampf ihres Vaters eine zentrale Rolle zu spielen begann, wurde auch ihr Mann zu einem seiner wichtigsten Vertrauten. Manche sagen, zu seinem allerwichtigsten, was umso bemerkenswerter ist, weil die Temperamente kaum unterschiedlicher sein könnten. Während Trump schnell laut und vulgär wird, verkörpert der Harvard-Absolvent Kushner das stilistische Kontrastprogramm. Ruhig, zurückhaltend, geschliffene Umgangsformen.

Dass man ihn einbezieht, wann immer wichtige Personalentscheidungen zu treffen sind, gilt mittlerweile als gesichertes Wissen. Im Frühjahr 2016 war Kushner maßgeblich daran beteiligt, Corey Lewandowski, Trumps rüpelhaften Kampagnenmanager, in die Wüste zu schicken. Und wenige Tage nach dem Wahlsieg seines Schwiegervaters musste Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey, der eigentlich das Übergangsteam des designierten Präsidenten leiten sollte, seinen Hut nehmen. Als Staatsanwalt hatte Christie dafür gesorgt, dass Jareds Vater Charles wegen Steuerhinterziehung für zwei Jahre hinter Gittern landete. Es sah ganz danach aus, als ob sich der Sohn an ihm gerächt hätte.

Vergleich mit Robert Kennedy

"Jeder Präsident hat ein, zwei Leute in seinem Umkreis, denen er instinktiv vertraut", sagt Henry Kissinger, der alte Außenpolitikstratege der Republikaner. Kushner, orakelt er, könnte in Trumps Machtzentrale eine Bedeutung haben, wie sie vor mehr als 50 Jahren Robert Kennedy in der Administration seines Bruders John F. Kennedy zukam. Nominell war RFK Justizminister, de facto die rechte Hand des Staatschefs. Der 36-jährige Kushner wird offizieller Berater im Weißen Haus, wohl auch rechte Hand – und außerdem zum personifizierten Interessenkonflikt.

Per Gesetz ist es einem US-Präsidenten untersagt, Verwandte in eine "Regierungsagentur" zu holen. Das Weiße Haus sei keine Regierungsagentur, argumentieren Trumps Anwälte, also stehe der Ernennung Kushners auch nichts im Wege. Was allerdings nichts ändert an potenziellen Konflikten: Ein Beispiel dafür ist ausgerechnet die 666 Fifth Avenue, das Juwel seiner Immobiliensammlung. Kushner will das prestigeträchtige Gebäude umbauen, und zwar mit finanzieller Hilfe des chinesischen Versicherungskonzerns Anbang. Im Weißen Haus aber soll er sich künftig – neben Israel und dem Nahen Osten – vor allem einem Thema widmen: dem Freihandel, den der Wahlkämpfer Trump mit protektionistischen Barrieren einzuschränken versprach. Dazu wird er knifflige Verhandlungen führen müssen, nicht zuletzt mit der Volksrepublik China. (Frank Herrmann aus Washington, 10.1.2017)

  • Jared Kushner agiert meist zurückhaltend – und wird sich als neuer Chefberater im Weißen Haus vor allem den Themen Naher Osten und Freihandel widmen.
    foto: ap photo/carolyn kaster

    Jared Kushner agiert meist zurückhaltend – und wird sich als neuer Chefberater im Weißen Haus vor allem den Themen Naher Osten und Freihandel widmen.

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