Wie Trump die Autobauer auf Kurs bringt

10. Jänner 2017, 17:12
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Toyota will in den USA Milliarden investieren, Fiat und Ford versprechen neue Jobs. Trumps Drohungen hätten damit nichts zu tun, beteuert die Industrie

Detroit – Eigentlich reisen die Größen der Autoindustrie an die kanadische Grenze, um sich ein bisschen zu feiern. Traditionell stehen hier bei der North American International Auto Show in Detroit die automobilen Highlights im Mittelpunkt. Man feiert Absatzzahlen, spricht über die meistverkauften Autos, über technologische Spezialitäten, über Wunderwerke der Ingenieurskunst, und man kann Neuheiten enthüllen.

Doch heuer schiebt sich zwischen dem vielen auf Hochglanz polierten Blech ein ganz anderes Thema in den Vordergrund. Ford will in den USA 700 neue Arbeitsplätze schaffen, Fiat Chrysler plant 2000 neue Stellen, der japanische Autoriese Toyota gedenkt ebenfalls Milliarden zu investieren. Die großen Autobauer überschlagen sich förmlich vor Eifer mit ihren Ausbauplänen über dem Atlantik. Als wollten sie dem neuen US-Präsidenten Donald Trump einen besonders innigen Empfang bereiten. Der Rechtspopulist hat ja nichts weniger als ein Jobwunder versprochen – und scheut bekanntlich auch vor deutlichen Warnrufen nicht zurück.

Für Wirbel in der Branche hat Trump etwa gesorgt, als er General Motors und Toyota heftig für Produktionspläne im Niedriglohn-Nachbarland Mexiko kritisierte und ihnen – via Twitter – mit horrenden Strafzöllen drohte. Am vergangenen Dienstag hat dann der US-Autobauer Ford überraschend Pläne für ein Werk in Mexiko über den Haufen geworfen. Und Fiat-Chrysler-Boss Sergio Marchionne schloss ein Ende der Autoproduktion in Mexiko zumindest nicht aus: "Wir werden uns anpassen müssen, uns bleibt nichts anderes übrig." Dass die Branche hüpfen muss, wenn es dem neuen US-Präsidenten beliebt, gibt Marchionne ungern zu. Es sei dem Zufall geschuldet, dass die Entscheidung, eine Milliarde Dollar in zwei bestehende US-Werke zu investieren, zeitlich mit Trumps Tweets zusammenfalle.

Teil der Konzernstrategie

Auch Toyota-Chef Akio Toyoda erklärte im Brustton der Überzeugung, dass die geplante US-Investition von zehn Milliarden Dollar in den kommenden fünf Jahren rein zufällig mit der aggressiven Kampagne Trumps zusammenfalle. Vielmehr sei dies Teil der Konzernstrategie. Und die schließe auch Mexiko mit ein. An den dortigen Standorten will man nicht rütteln. Auf einen Zeitraum legte der Autobauer sich nicht fest.

In Detroit bemühen sich die Größen der Industrie ohnehin, betonte Gelassenheit zu demonstrieren. "Ich würde gerne tatsächliche Entscheidungen abwarten", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Was würde es bedeuten, wenn Strafzölle kommen würden? "Ich erwarte es nicht."

Ähnlich reagiert man auch bei der heimischen Voestalpine, die derzeit ein neues Autokomponentenwerk in Mexiko baut. Die Voestalpine will von Mexiko aus den Nafta-Raum (USA, Kanada, Mexiko) verstärkt bedienen. Abgearbeitet wird in dem Werk in Aguascalientes ein hunderte Millionen Dollar schwerer Großauftrag eines deutschen Premium-Autobauers. Dabei soll es bleiben, so ein Sprecher auf STANDARD-Anfrage. Gleichzeitig "werden wir in den nächsten sechs Monaten genau schauen, was sich tut". Sicher sei auch: "Wenn die großen Autohersteller sagen, da passiert etwas, wird auch bei uns etwas passieren. Wir gehen dahin, wo der Kunde ist. Wir können relativ rasch Teile eines Auftrages auch woanders abarbeiten. Da sind wir flexibel." (Reuters, rebu, 10.1.2017)

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    In diesem Toyota-Werk in den USA fand Donald Trump im vergangenen Jahr Zuspruch. Derzeit stellt er der Auto-Branche die Rute ins Fenster: In den USA produzieren oder hohe Strafzölle berappen.

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