"The Great Wall": Der Kaiser schickt Soldaten aus

11. Jänner 2017, 09:00
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Der US-chinesische Actionblockbuster bietet viel Kampf und Kurzweil

Wien – Kommen zwei Europäer in eine mit chinesischen Soldaten überfüllte Halle, irgendwo neben der Chinesischen Mauer. Tapfer haben die beiden gekämpft an der Seite der neuen Freunde, die sie so lange gefangen gehalten haben, bis sie mitten in der Schlacht merken mussten, dass die verzottelten Bartträger auch gut die Waffenhand führen können. Nun sind sie frei, frisch und einigermaßen fröhlich. Aber jetzt müssen sie vor der großen Versammlung sprechen. Zum Glück ist eine der schönen Soldatinnen, ziemlich sicher ist sie sogar die schönste von allen, des Englischen mächtig. "You are honored." Entgegnet der Reisende aus dem Westen: "We are honored to be honored."

foto: universal pictures
An der roten Uniform erkennt man in "The Great Wall" die Bogenschützen. Es gibt aber auch gelbe und grüne Soldaten.

Diesen Film zu entschlüsseln ist schlicht unmöglich. Selbst dann, wenn in ihm gesprochen wird. Niemand schreibt ernsthaft solche Dialoge. Höchstens ungestraft. Er heißt The Great Wall, das ist die Chinesische Mauer, und dieser Titel birgt zugegebenermaßen einige Interpretationsmöglichkeiten. Man könnte sich also verleitet sehen, in diesem Film nach einer Bedeutung zu suchen, zum Beispiel ob das knapp neuntausend Kilometer lange Bollwerk für die Erzählung rund um die abendländischen Kämpfer im Fernen Osten eine symbolische Rolle spielt. Tut es aber nicht.

Mit Zähnen und Klauen

The Great Wall, inszeniert von Zhang Yimou, der vor vielen Jahren tatsächlich gute Filme gedreht hat, ist eine US-chinesische Koproduktion und als solche ein Actionblockbuster mit einem amerikanischen und zwei chinesischen Stars. Dass Matt Damon, Andy Lau und Jing Tian auf derselben Seite beziehungsweise meistens auf derselben Mauer stehen, hat damit zu tun, dass die Angreifer aus dem Norden keine Mongolen, sondern, nun ja, großmäulige Kreaturen mit ziemlich vielen Zähnen sind. Dass diese vom US-Horrorautor Max Brooks ersonnen wurden, kann man vor allem daran erkennen, dass sie wie Brooks' Zombies in World War Z zum Lebendturmbau vor vertikalen Hindernissen neigen.

universal pictures uk

Dass sie wie der Großteil des restlichen Films – also inklusive Mauerwerk und Landschaft, soweit das Auge reicht – merklich am Computer entstanden sind, erstaunt bei einem geschätzten Budget von 150 Millionen Dollar, stört aber nicht weiter, obwohl angeblich Aufnahmen vor Ort entstanden sein sollen. Apropos Auge: In genau dieses muss man die Monster treffen, um sie nicht in die Hauptstadt vordringen zu lassen, von wo der kleine Kaiser seine Soldaten ausschickt.

Ob das Vorhaben gelingt, soll hier nicht verraten werden. Verlautbart sei hingegen, dass The Great Wall definitiv das erste wirkliche guilty pleasure des neuen Kinojahres ist. Da staunt man Bauklötze, welche Erfindungen der chinesische Nationalstolz in Sachen Militär-, aber auch Ziviltechnik hervorgebracht hat! Derweil hat das Muttermonster, das sich auch als Monstermutter entpuppt, einen gewieften Plan, der beinahe an Sabotage grenzt.

Ob dieser Film in einem ersten Versuchsstadium länger gewesen ist, kann man nur ahnen. In der vorliegenden Fassung besitzt er jedenfalls keine Längen. Das längste Teil in The Great Wall bleibt somit die Mauer selbst. (Michael Pekler, 11.1.2017)

Ab 12.1. im Kino

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