Mak: Das Handwerk als Leuchtturm

    10. Jänner 2017, 16:46
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    Das Wiener Museum für angewandte Kunst präsentierte sein Jahresprogramm

    Wien – "Wir brauchen eine dritte digitale Revolution", sagte Christoph Thun-Hohenstein, Direktor des Museums für angewandte Kunst (Mak), am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz seines Hauses. Nach der Mobilwerdung des Internets und der Etablierung eines Internets der Dinge gehe es nun darum, digitale Werkzeuge so zu nutzen, dass wir zu "nachhaltiger Lebensqualität" statt "sinnloser Steigerung" gelangen.

    Ein wichtiger "Leuchtturm" bleibt für das Mak dabei auch 2017 das Handwerk. Zu einer schon laufenden Ausstellung über "tradiertes Können in der digitalen Welt" kommen demnächst zwei Präsentationen betreffend Glas, denen auch die Frage zugrunde liegt, wie wir uns "frühere Modernen so ansehen können, dass wir daraus für die aktuelle lernen". Das Glas der Architekten zeigt Wiener Glasentwürfe der Jahre 1900 bis 1937, die andere Ausstellung Gläser der Empire- und Biedermeierzeit.

    In die gegenwärtige Arbeitswelt führt dann die Vienna Biennale im Sommer, die in ihrer zweiten Auflage Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft heißt. Im Zeichen eines "digitalen Humanismus" werden Fragen eines zwischen Mensch und Maschine vermittelnden Designs gestellt, während es unter dem Titel Artificial Tears etwa um nanotechnologische Erweiterungen des Organismus geht. Weitere Projekte fokussieren auf den urbanen Raum oder Gemeinwohlkonzepte.

    Auf die Verantwortung der Kunst in der digitalen Moderne verweist dann u. a. im Herbst eine Schau des Künstlers Thomas Bayrle, der, selbst Webdesigner und Weber, Handwerk mit computerbasierter Kunst verknüpft. Ende 2017 begeht man unter dem Titel Ästhetik der Veränderung das 150-Jahr-Jubiläum der Universität für angewandte Kunst Wien.

    Dass die Realisierung des Ausstellungsprogramms ein finanzieller Spagat sei, erklärte indes die kaufmännische Geschäftsführerin des Mak, Teresa Mitterlehner-Marchesani. Ein Grund dafür ist die fehlende Indexierung der Bundessubvention, die "enorme Anstrengungen" aufseiten der Eigenerlöse erforderlich mache. Tatsächlich haben sich die Kartenerlöse von 2014 auf 2016 verdoppelt und betragen nun rund 600.000 Euro. Zugleich verzeichne man rund 35 Prozent der Besucher am eintrittsfreien Dienstagabend, den man "wegen der vorbildlichen sozialen Durchmischung" gerne halten möchte. Insgesamt habe man 2016 ein historisches Besucherergebnis erzielt und den Vorjahresrekord noch einmal um mehr als zehn Prozent übertroffen. Die konkreten Zahlen präsentiert allerdings das Kulturministerium zusammen mit jenen aller weiteren Bundesmuseen. (rg, APA, 10.1.2017)

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