Griechische Inseln: Hilfe für frierende Flüchtlinge beginnt zu greifen

10. Jänner 2017, 16:55
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Das Migrationsministerium ist mit dem Schutz der Flüchtlinge während der Winterzeit überfordert. Nun sind andere eingesprungen

Der Präsident der Hoteliers und die Mehrheit im Verband waren dagegen, doch am Ende siegte die Humanität über den Kommerz. Rund 130 der von der Kältewelle am schlimmsten betroffenen Flüchtlinge auf Lesbos sind zu Wochenbeginn in Hotelzimmern auf der Insel untergebracht worden. Im Lager Moria müssen mittlerweile keine Familien mit Kindern mehr in Zelten bei Temperaturen um die fünf Grad ausharren.

Perikles Antoniou, der Chef der Hoteliers, hat aus seinem Widerstand eine Prinzipienfrage gemacht. Moral hin oder her, die Vermietung der Zimmer löse das Flüchtlingsproblem auf der Urlauberinsel auch nicht, erklärte Antoniou seinen Branchenkollegen. Dabei stehen die Hotels auf Lesbos und den anderen Flüchtlingsinseln in der Ägäis im Winter ohnehin leer, wenn sie nicht gerade von Frontex-Polizisten und den vielen Helfern gebucht werden.

Der griechische Migrationsminister Yiannis Mouzalas steht nun erneut in der Kritik wegen offenkundig unzureichender Vorbereitungen auf die Kältewelle. 53.000 Flüchtlinge sitzen derzeit auf dem griechischen Festland fest, knapp 10.000 Menschen sind auf fünf Inseln der Ostägäis interniert, darunter auf Lesbos. Mouzalas schien nicht korrekt unterrichtet worden zu sein, als er Donnerstag vergangener Woche noch angab, sein Ministerium habe erfolgreich die Vorkehrungen für die Überwinterung abgeschlossen. Keine Flüchtlinge seien mehr der Kälte ausgesetzt, behauptete Mouzalas vor Journalisten. Dann aber begannen in den sozialen Medien die Videos über frierende Flüchtlinge und schneebedeckte, windschiefe Zelte zu kursieren.

Hunderte noch im Freien

Nach den Notverlegungen in den vergangenen Tagen kampieren laut UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in Athen immer noch Hunderte von Flüchtlingen auch auf dem Festland in Zelten im Freien, so etwa in den notorisch schlechten Lagern auf dem Gelände des früheren Athener Flughafens Elleniko.

Auf Lesbos, der größten Flüchtlingsinsel, haben NGOs nun zunächst drei beheizte Zelthallen im Internierungslager Moria errichtet. Das UNHCR hatte gemeinsam mit der griechischen Hilfsorganisation Iliaktida die Verlegung der 130 besonders Notbedürftigen in Hotels abgewickelt. Im zweiten, offenen Lager Karatepe, am Ortsausgang der Inselhauptstadt Mitilini, werden derzeit Zelthallen und Container durch solider gebaute Wohneinheiten ersetzt.

Vorbereitungen für die Überwinterung der Flüchtlingsbevölkerung in Griechenland waren unter Federführung des Migrationsministeriums bereits seit Monaten in Gang. Sie erwiesen sich aber als unzureichend und waren in vielen Fällen auch noch nicht abgeschlossen, als die Kältewelle nach Neujahr einsetzte.

UNHCR fordert europäische Lösung

Der Sprecher des UNHCR in Griechenland, Roland Schönbauer, weist über die derzeit laufende Nothilfe für frierende Flüchtlinge hinaus auf die strukturellen Mängel hin: "Wenn der Schnee weg ist, bleibt das größte Problem: die Überbelegung der Lager auf den Inseln." Die Lösung hierfür müsse auch aus Europa kommen, sagt Schönbauer. Würden Personalzusagen an die europäische Asylhilfsbehörde Easo erfüllt, ginge auch die Bearbeitung der Asylanträge schneller voran. Flüchtlinge könnten dann auf das Festland verlegt werden.

Zahlen des Easo vom Montag zufolge sind seit Oktober 2015 – dem Zeitpunkt einer Vereinbarung der EU-Mitgliedsländer – 9.934 Kriegsflüchtlinge aus Griechenland und Italien in andere EU-Staaten umgesiedelt worden. Als Ziel war per Mehrheitsbeschluss die Zahl von 160.000 Flüchtlingen bis Herbst 2017 festgelegt worden. In zwei Monaten, ab März, soll Athen wiederum Asylbewerber aus anderen EU-Staaten gemäß dem Dublin-Abkommen zurücknehmen, wenn sie über Griechenland in die EU gelangt sind. (Markus Bernath aus Athen, 10.1.2017)

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    foto: afp
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