Presserat: "Krone" diskriminierte mit Flüchtlingskommentar

10. Jänner 2017, 16:20
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Kommentar "Ohne Pass kein Ticket!" verstößt gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse

Wien – Die "Krone" wurde neuerlich vom Presserat verurteilt. In einem Artikel über die Erfahrung einer Innsbrucker Familie wurde Stimmung gegen Asylwerber gemacht, befand der Senat 3 des Selbstkontrollorgans. Der Beitrag "Ohne Pass kein Ticket!", erschienen am 4. Oktober 2016 auf Seite 19 der Tiroler Ausgabe, verstößt damit laut Presserat gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse, indem er pauschal verunglimpft und diskriminiert.

Der Artikel beginnt mit den Worten, "Wer annimmt, es geht hier um Asylwerber, liegt falsch". Anschließend wird berichtet, dass eine Familie in Tirol neue Freizeittickets kaufen wollte, dies aber offenbar nicht möglich gewesen wäre, hätten sie nicht ihren Familienpass vorweisen können. Anscheinend, so der Autor, zähle es nicht, dass die gesamte Familie "unvermummt" anwesend gewesen und das abgelaufene Ticket mit Foto und Name der Familienmitglieder versehen sei. Die Familie sei "wütend darauf, dass man Asylwerbern, die auf der Flucht angeblich ihre Pässe verlieren (ihre Handys zum Glück aber nicht) scheinbar [sic] mehr Vertrauen entgegenbringt, als einer einheimischen Familie, die was kaufen will." Solche skurrilen Vorfälle sind nach Auffassung des Autors mit dafür verantwortlich, dass beim Thema Asyl letztlich so viel falsch laufe.

Der Senat des Presserats berücksichtigt, dass es sich bei dem Text um einen Kommentar handelte. Der Fall der Familie in Tirol, die aufgrund eines Familienpasses in den Genuss von Vergünstigungen kommt, habe allerdings nichts mit Flüchtlingen, deren Einreise nach Österreich oder deren Verschleierung zu tun: "Umso mehr erstaunt es, dass hier der Autor einen Bezug zu Flüchtlingen herstellt", befindet der Presserat in seiner Entscheidung.

"Er (der Autor, Anm.) suggeriert, dass Flüchtlinge bevorzugt und ihnen mehr Vertrauen entgegengebracht werde als Österreichern. Flüchtlinge werden so gegen Österreicher ausgespielt. Ohne Vorweis des Familienpasses werden auch Flüchtlingen Vergünstigungen verwehrt. Der Senat hält es für ethisch bedenklich, den Ärger über eine bürokratische Vorgehensweise bei der Ausstellung von Freizeittickets mit Flüchtlingen und deren ungeprüfte Einreise in Verbindung zu bringen. Offenbar sollten hier Vorurteile und Ressentiments bei manchen Leserinnen und Lesern bedient bzw. geweckt werden."

Der Presserat fordert die "Krone" auf, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. Das Kleinformat ist nicht Mitglied des Gremiums. (red, 10.1.2017)

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