Gebäudedämmung auf ökologischer Basis

15. Jänner 2017, 07:00
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An der Fachhochschule Salzburg werden Alternativen zu fossilen Dämmungsmaterialien erforscht

Salzburg – Etwa elf Millionen Quadratmeter Außenwände pro Jahr werden in Österreich laut Gianluca Tondi, Forscher an der Fachhochschule Salzburg, mit Wärmedämmverbundsystemen gedämmt. Für bis zu 85 Prozent davon wird als Material sogenanntes expandiertes Polystyrol (EPS) eingesetzt. Der bekanntere Begriff dafür ist Styropor – diesen Namen hat sich der Chemiekonzern BASF schützen lassen.

Polystyrol ist als Dämmstoff gut geeignet und relativ günstig, hat aber zwei Nachteile: Zur Reduktion des Brandverhaltens muss ihm bei Einsatz als Baustoff ein Flammschutzmittel zugesetzt werden. Erst 2015 wurde das bis dahin verwendete und immer noch in vielen Gebäuden schlummernde Hexabromcyclododecan (HBCD) verboten – weil es schlecht abbaubar ist und sich als Schadstoff in Organismen anreichern kann. HBCD wurde in der Arktis und in geringer Konzentration sogar schon in menschlicher Muttermilch nachgewiesen.

Das wirft Fragen nach der Entsorgung des mit HBCD versetzten Polystyrols auf: Wenn Gebäude das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben, kann dieses durch das Verbot nämlich nicht mehr einfach recycelt werden. Außerdem es gibt einen weiteren Nachteil: Für die Herstellung von EPS werden große Mengen an Erdöl verwendet – Grund genug, sich nach Alternativen umzusehen.

Nachhaltige Alternative

Häufig wird statt Polystyrol Mineralwolle verwendet. Ihr größter Pluspunkt ist die Nichtbrennbarkeit, sie benötigt allerdings in der Herstellung sehr viel Energie. Anders sieht es mit natürlichen, organischen Dämmstoffen aus.

"Es gibt am Markt jetzt schon Alternativen zu Polystyrol, welche hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, wie beispielsweise Dämmplatten aus Holz- oder Hanffaser. Weil die aber deutlich teurer sind als EPS, wird dieses immer noch bevorzugt verwendet", sagt Manuela Prieler von der FH Salzburg.

Ihr Kollege Gianluca Tondi forscht in Kooperation mit dem Fachbereich Chemie und Physik der Universität Salzburg an einer neuen Alternative: Sogenannte Tanninschäume sollen das ökologisch nicht nachhaltige Polystyrol ersetzen. "Tannine sind Gerbstoffe, die aus verschiedenen Pflanzen gewonnen werden können", so Tondi. Tanninschäume haben außerdem ebenso wie EPS sehr gute thermische Isoliereigenschaften und sind zudem feuerbeständig.

Flexibler Einsatz

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Tanninschäume je nach Anwendung chemisch in verschiedenen Formeln hergestellt werden können und somit flexibel und vielfältig einsetzbar sind. Die Materialkosten für die Produktion beziffert Tondi mit etwa einem Euro pro Kilo.

Ob diese Alternative auch in großem Maßstab industriell umsetzbar sein wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Aktuell werden die Rezepte für die Tanninschäume immer weiter optimiert, um die Anforderungen der Industrie zu erfüllen. "Wir haben in den vergangenen Jahren Inhaltsstoffe wie Lösungsmittel oder Katalysatoren ebenso immer weiter verbessert wie Vorschläge für neue Produktionsabläufe gemacht", so Tondi.

"Wegen der begrenzten Ressource Erdöl werden die Alternativen zu Polystyrol in Zukunft definitiv immer wichtiger werden", ist sich Prieler sicher. Tondi weiß von einem weiteren Forschungsansatz zu berichten: Lignine, Polymere der pflanzlichen Zellwand, könnten aus dem Abwasser der Zellstoff- und Papierindustrie gewonnen und zur Herstellung von Ligninschäumen genutzt werden. Dieses Material würde eine noch nachhaltigere und günstigere Alternative zu den aktuell bekannten Möglichkeiten liefern. (Armin Fluch, 11.1.2017)

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