Historiker entdecken im Ernstbrunner Wald "versunkene" Dörfer

10. Jänner 2017, 12:41
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Mittelalterliche Siedlungen sowie Verteidigungsanlagen und Herrensitz mit Erdhügelburg erkennbar

Hollabrunn – Forscher haben in Niederösterreich rund um Enzersdorf im Thale mithilfe von Luftaufnahmen fünf "versunkene" mittelalterliche Dörfer entdeckt. Zwei der Siedlungen im Ernstbrunner Wald seien nach Angaben der Experten so gut erhalten, dass sogar die Dorfstrukturen samt Verteidigungsanlagen und ein Herrensitz mit einer Erdhügelburg erkennbar wurden.

Zudem zeigte sich, dass die Dörfer bereits umfassende Überflutungsschutz-Systeme installiert hatten, berichteten Gerhard Hasenhündl vom Museumsverein Hollabrunn und der Heimatforscher Heinz Bidner. Auch mittelalterliche Weinberge und Feld-Terrassen werden auf den Laserscan-Aufnahmen erkennbar.

Vom Wald konserviert

Die Gebäude aus Holz und Lehm vermoderten vermutlich bereits vor Jahrhunderten. Deren Steinfundamente wurden dagegen im Laufe der Zeit mit 30 bis 50 Zentimetern Humus überdeckt. Jene ursprünglichen Dorfareale, sogenannte Ortswüstungen, die nicht zu Feldern umfunktioniert wurden, holte sich der Wald zurück und konnte somit konserviert werden.

Möglich wurde die aktuelle Neuentdeckung der fünf Orte im westlichen Weinviertel durch Laserscan-Luftaufnahmen, die das Land Niederösterreich in seiner Online-Kartensammlung bereithält (atlas.noe.gv.at). Sie stellen nur die Erdoberfläche dar und blenden den Pflanzenbewuchs aus. Zumal dort nach Verödung der Orte zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert nie Äcker angelegt und diese Flächen nie eingeebnet wurden, blieben die strukturellen Erhebungen erkennbar.

"Die Ortswüstungen Krales und Unter-Abtsdorf sind besonders schön und komplett erhalten", erläuterte Hasenhündl. Er hat die jüngsten Entdeckungen analysiert und das Bundesdenkmalamt informiert.

Früherer Herrensitz

Die Ortswüstung von Unter-Abtsdorf liegt im Enzersdorfer Wald und weist einen Herrensitz mit einer Böschung-Wall-Anlage auf. Das ganze Dorf war – wie in dieser Gegend typisch – ebenfalls mit einer Wehranlage umschlossen. Nordwestlich des Ortes sind die Terrassen des einstigen Weinberges erkennbar. Das benachbarte Krales liegt im Glasweiner Wald (Gemeinde Großmugl, Bezirk Korneuburg) und hatte sogar eine Erdhügelburg. Die Anlage ist mit steilen Gräben, einem 450 Quadratmeter großen Kernburg-Plateau und einer etwa 150 Quadratmeter großen Vorburg gut erkennbar. Geschützt war die Burg wohl zusätzlich durch Holzpalisaden.

"Das Dorf hatte 30 bis 40 Häuser und 200 bis 250 Bewohner. Das war für damalige Verhältnisse relativ viel", rekonstruierte Hasenhündl. Die Grundmauern, die aus Steinen gebaut wurden, blieben unter dem Waldboden erhalten. (APA, red, 10.1.2017)

  • Das Laserscan-Bild zeigt den Plan des mittelalterlichen Dorfes Krales südlich von Enzersdorf im Thale.
    foto: nö atlas

    Das Laserscan-Bild zeigt den Plan des mittelalterlichen Dorfes Krales südlich von Enzersdorf im Thale.

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