Wohnungspreise stiegen 2016 stärker als erwartet

    10. Jänner 2017, 13:39
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    Heuer sollen sich die Preisanstiege laut EHL Immobilien aber einbremsen

    Auch wenn es schon vor einem Jahr hieß, dass sich der Preisanstieg bei Wohnungen einbremsen wird: Die Preise haben weiter zugelegt. "Die Preisentwicklung war 2016 deutlicher, als es zu Jahresanfang ausschaute", sagte Sandra Bauernfeind, Expertin für Wohnimmobilien bei EHL Immobilien, während einer Pressekonferenz am Dienstag.

    Druck vom Markt

    Konkret sind laut EHL-Zahlen die Preise für Eigentumswohnungen 2016 um drei bis vier Prozent gestiegen, die Mieten um 1,2 bis 1,3 Prozent. Am deutlichsten stiegen die Preise in den Bezirken 2, 12, 14, 16, 17 sowie 22 und 23. Knapp 14.000 Wohnungen wurden im Vorjahr in Wien verkauft, 41.000 vermietet. Insgesamt wechselten laut Verbücherungsdaten Wohnungen um 3,4 Milliarden Euro den Besitzer, der durchschnittliche Quadratmeterpreis ist demnach von 3.400 auf knapp 3.600 Euro gestiegen.

    Für 2017 rechnet Bauernfeind mit einer Stabilisierung der Preis- und Mietentwicklungen – auch weil die Fertigstellungszahlen über jenen von 2016 liegen würden und so Druck vom Markt genommen werde. "2017 ist aber in keinem Segment mit sinkenden Preisen zu rechnen", betont Michael Ehlmaier, Geschäftsführer von EHL Immobilien. Denn die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage werde weiter aufgehen, der starke Zuzug anhalten. 150.000 Wohnungen würden fehlen, wenn man von einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von zwei Personen ausgeht.

    Preise steigen in U-Bahn-Nähe

    Bei Eigentumswohnungen rechnet man bei EHL Immobilien 2017 mit Preisanstiegen von maximal 3,75 Prozent bei Wohnungen in guten oder sehr guten Lagen, in mittleren Lagen mit 2,75 bis drei Prozent, bei Mieten im unteren und mittleren Preissegment mit einem Plus von 1,3 Prozent. Preissteigerungen gebe es derzeit auch schon in Wien-Favoriten entlang der künftigen U-Bahn-Trasse der U2. Die Seestadt Aspern sowie die Gegenden rund um Haupt- und Nordbahnhof und entlang der Floridsdorfer Hauptstraße werden als Hotspots für Wohnungsneubau gehandelt.

    Als Trends für das aktuelle Jahr wird auch das Wohnen im Turm erachtet, das zunehmend auch bei den Wienern ankommt, meint Sandra Bauernfeind im Gespräch mit dem STANDARD. Kurzzeit- und Mikrowohnungen gebe es immer häufiger, allgemein steige die Nachfrage nach effizientem Wohnraum. Zweizimmerwohnungen seien teilweise unter 40 Quadratmeter groß – das dürfe aber nicht auf Kosten von Nebenflächen wie Abstellräumen gehen, betonte Bauernfeind.

    Erwartungen an Mietrechtsreform

    Ob es demnächst zu einer Einigung in puncto Mietrechtsreform zwischen den beiden Koalitionsparteien kommen könnte, wurde von den Experten angezweifelt. Das Mietrecht gehört laut Ehlmaier "entstaubt". "Ich befürchte aber, dass sich da in Zukunft nichts Konstruktives tun wird", meinte Bauernfeind. Ehlmaier kritisierte, dass die Rahmenbedingungen für Investoren derzeit nicht stabil seien – etwa was die Wartezeit auf Baugenehmigungen angehe.

    Auch abseits der Wohnimmobilien wird der Wiener Markt optimistisch gesehen: EHL-Büroexperte Stefan Wernhart rechnet 2017 mit 160.000 Quadratmetern fertiggestellter Flächen. Das sei eine "Trendwende" im Vergleich zu den vergangenen Jahren.

    Ausländische Investoren

    Auch EHL-Investmentexperte Franz Pöltl sieht das Jahr 2017 optimistisch und erwartet weiterhin eine starke Nachfrage vonseiten ausländischer Investoren: "Ich rechne fix damit, dass wir 2017 die Marke von drei Milliarden Euro an Transaktionsvolumen wieder deutlich überschreiten werden", so Pöltl.

    2016 ist das nicht geglückt: Das Transaktionsvolumen lag bei 2,7 Milliarden Euro und damit um 20 Prozent unter jenem von 2015. Das sei aber nicht an der geringen Nachfrage gelegen, sondern an zu wenigen verfügbaren Objekten. Zudem hätten sich die Abschlüsse einiger großvolumiger Objekte in das neue Jahr verschoben, so Pöltl. (Franziska Zoidl, 10.1.2017)

    • Besonders begehrt sind kompakte Grundrisse – auf Stauflächen darf aber nicht vergessen werden.
      foto: apa/georg hochmuth

      Besonders begehrt sind kompakte Grundrisse – auf Stauflächen darf aber nicht vergessen werden.

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