Erde ohne Menschen: Artenvielfalt erholt sich erst in acht Millionen Jahren

10. Jänner 2017, 11:05
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Ein paar tausend Jahre menschlicher Einwirkung werfen die Natur um Jahrmillionen zurück

Berlin – Das natürliche Artengleichgewicht der Erde wird immer wieder von großen Aussterbewellen aus dem Lot gebracht. Während in erdgeschichtlichen Zeitaltern Asteroiden oder Supervulkane verantwortlich waren, wird das aktuelle Massenaussterben wahrscheinlich vom Mensch verursacht – und zwar mit nachhaltigen Folgen: Wäre der Mensch plötzlich von der Erde verschwunden, würde die Natur zwar nur wenige Jahrhunderte brauchen, um die Städte zurückzuerobern. Mit einer Erholung der Artenvielfalt wäre dagegen noch sehr lange nicht zu rechnen, wie nun Evolutionsbiologen herausgefunden haben.

Inseln sind natürliche Evolutionslabore und beherbergen viele einzigartige Spezies von Pflanzen und Tieren, die sonst nirgendwo auf der Welt anzutreffen sind. Seit der Ankunft der Menschen haben die Inseln jedoch viele dieser Arten eingebüßt. Allein in der Karibik sind nach der Kolonisierung durch den Menschen über die Hälfte aller Säugetierarten ausgestorben. Kann die Natur die Zahl der vor Ankunft der Menschen vorhandenen Arten wieder erreichen? Und wie lange würde es dauern, bis die Artenvielfalt wiederhergestellt ist?

Diesen Fragen sind Luis Valente vom Museum für Naturkunde Berlin, Liliana Dávalos von der Stony Brook University (USA) zusammen mit Rampal Etienne von der Universität Groningen (Niederlande) nachgegangen und stellten Daten zur vielfältigsten Säugetiergruppe auf den Großen Antillen – den Fledermäusen – zusammen.

Rekonstruierte Evolutionsgeschichte

Das Forschungsteam untersuchte die in der Neuen Welt vorkommenden Blattnasen und nahe verwandte Arten. Es ist eine ökologisch vielseitige, in den Tropen beheimatete Gruppe, zu der das Fische fangende Große Hasenmaul, viele Feigen fressende Fledermäuse und die berühmt-berüchtigten Vampire gehören. Mithilfe genetischer und fossiler Daten für alle in den Großen Antillen bekannten Fledermausarten, auch solchen, die in den letzten zwanzigtausend Jahren ausgestorben sind, rekonstruierten die Forscher die Evolutionsgeschichte dieser Tiergruppe.

Sie kamen zu dem überraschenden Resultat, dass fast ein Drittel aller Fledermausarten auf den Großen Antillen in diesem Zeitraum ausgestorben war. Es ist zwar unklar, ob dieses Aussterben durch natürliche Umweltveränderungen oder menschliches Handeln ausgelöst wurde, aber aktuelle fossile Daten weisen nach, dass die größte Welle des Fledermaussterbens nach der Besiedlung durch Menschen eintrat.

Gravierende Einschnitte

Auf Basis dieser Ergebnisse führten die Forscher Computersimulationen über die Entwicklung der Fledermaus-Artenvielfalt ohne menschliche Beeinflussung durch. Es zeigte sich, dass die Inseln mindestens acht Millionen Jahre benötigen würden, um sich von dem Verlust der ausgestorbenen Arten zu erholen.

Demnach genügen ein paar Tausend Jahre menschlicher Einwirkung, um die Natur um Jahrmillionen zurückzuwerfen. Nach Ansicht der Forscher zeigt der erstaunlich lange Zeitraum bis zur theoretischen Wiederherstellung der Artenvielfalt, welche gravierenden Folgen die Ausrottung von Arten durch den Menschen für die langfristige Evolutionsdynamik auf Inseln hat. (red, 10.1.2017)

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