Deutscher Altpräsident Roman Herzog gestorben

10. Jänner 2017, 10:19
17 Postings

CDU-Politiker war von 1994 bis 1999 Bundespräsident – Seine "Ruck-Rede" bewegte das Nachwende-Deutschland

Berlin – Es wäre viel zu kurz gegriffen, den am Dienstag verstorbenen deutschen Altbundespräsidenten Roman Herzog (1994–1999) auf vier Buchstaben reduzieren zu wollen. Und dennoch, sein Vermächtnis lässt sich am besten mit diesem einen Wort beschreiben: Es ist die sogenannte "Ruck-Rede" vom 26. April 1997, die die Deutschen immer mit Herzog verbinden werden.

"Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von lieb gewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen", sagte er in Berlin, und in diesem Satz gipfelte, wofür er seine gesamte Amtszeit eintrat: Er wollte den Deutschen Mut machen, dringend nötige Reformen anzugehen. Als Herzog Bundespräsident war, saß Helmut Kohl (CDU) seine letzten Jahre im Kanzleramt. Es war viel vom "Reformstau" die Rede, und jede Mahnung Herzogs richtete sich auch immer an Kohl – jenen Mann, der Herzog ins Amt des Bundespräsidenten gebracht bracht hatte.

Doch zuvor hatte Herzog ein ganz anderes, ein juristisches Leben. Er wurde 1934 in Landshut (Bayern) geboren, studierte Jus, lehrte in München, Berlin und Speyer (Staatslehre und Politik). In die CDU war er 1970 eingetreten, bald wurde Kohl auf den klugen Juristen aufmerksam.

Als Innenminister umstritten

Er machte ihn, als er selbst Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz war, 1973 zu seinem Staatssekretär. Später war Herzog in Baden-Württemberg Kultus- und Innenminister. Als Innenminister war er durchaus umstritten, da er damals, Anfang der Achtzigerjahre – in der Zeit der Sitzblockaden – die Polizei mit Reizgas und Gummischrot ausstattete. 1983 wechselte er ans Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe, dessen Präsident er von 1987 bis 1994 war. Dort wollte er eigentlich auch bleiben, als Kohl ihn dringend brauchte. Ursprünglich lautete Kohls Plan, den damaligen sächsischen Justizminister Steffen Heitmann (CDU) zum Staatsoberhaupt und Nachfolger des beliebten Richard von Weizsäcker zu machen.

Doch Heitmann disqualifizierte sich mit erzkonservativen Äußerungen, Herzog sprang ein. Bald schon zeigte sich sein eigener Stil, der ihn bei den Deutschen sehr beliebt machte. Er mahnte, aber mit Humor. Über Politiker und Wissenschafter sagt er einmal: "90 Prozent tragen Bedenken, zehn Prozent Verantwortung." In Erinnerung bleiben auch seine "Bitte um Vergebung" zum 50. Jahrestag des Warschauer Aufstandes und die Einführung des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Jänner. (Birgit Baumann, 10.1.2017)

keuronfuih
Die berühmte "Ruck-Rede".
  • Roman Herzog, 1934–2017.
    foto: ap/schreiber

    Roman Herzog, 1934–2017.

    Share if you care.