Mays Pläne lassen das Pfund abschmieren

9. Jänner 2017, 17:33
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Steigende Inflation

Die Unsicherheit über die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes hat der britischen Währung einen neuen Absturz beschert. Der Handel reagierte damit auf Äußerungen von Premierministerin Theresa May, die in Interviews dem "harten Brexit", also dem Austritt aus dem Binnenmarkt, das Wort geredet hatte.

Die Regierungschefin wies am Montag erneut die Vorstellung zurück, das Land könne "teils EU-Mitglied" bleiben: "Ich will weder den harten noch den weichen Brexit, sondern den besten Deal."

Steigende Inflation

Das Pfund war bereits Ende vergangener Woche zurückgegangen und sank am Montag nochmals um zeitweise über ein Prozent gegenüber Dollar und Euro. Seit dem Brexit-Votum im vergangenen Juni hat die Währung um bis zu 17 Prozent an Wert verloren. Das hilft exportorientierten Branchen, führt aber zu höheren Preisen für Importe. Die Inflationsrate kletterte zuletzt von beinahe null auf 0,9 Prozent, bis zum Jahresende erwartet die Zentralbank eine Teuerung von bis zu 2,5 Prozent.

Mays Stellungnahme war die erste im neuen Jahr; vergangene Woche hatte der überraschende Rücktritt des britischen Botschafters in Brüssel, Ivan Rogers, die Schlagzeilen bestimmt. In dessen Abschiedsschreiben war von "Verwirrung und schlecht begründeten Argumenten" in der Regierung die Rede. Tatsächlich vermittelten führende Kabinettsmitglieder zuletzt den Eindruck von Uneinigkeit und Zögerlichkeit. Selbst wohlwollende Medien wie das Magazin Economist schreiben von "Theresa Maybe".

Zudem haben sich die unterlegenen EU-Freunde bei den Konservativen deutlicher als bisher zu Wort gemeldet. Rund zwei Dutzend Abgeordnete, darunter frühere Minister, sprachen von einer möglichst engen Verbindung mit dem Kontinent. Sie könnten leicht zu Rebellen werden gegen einen harten Brexit-Kurs und so Mays geringe Mehrheit von 14 Mandaten gefährden. Ex-Wirtschafts-Staatssekretärin Anna Soubry sprach Montag davon, die Regierung habe "ein Mandat für den Austritt aus der EU, nicht aber aus dem Binnenmarkt". Ähnlich argumentiert die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon.(Sebastian Borger aus London, 9.1.2017)

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