Ethikbank stellt Crowdfunding-Plattform auf

10. Jänner 2017, 11:00
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Eine Art Gütesiegel für Start-up-Firmen mit Gemeinwohlanspruch wird vergeben

Wien – Die genossenschaftlich organisierte Gemeinwohlbank springt auf den Zug für Start-up-Finanzierungen auf. "Wir werden ab Mai eine Crowdfunding-Plattform anbieten", sagt der zuständige Manager Ronald Hechenberger.

Allerdings wird sich das Projekt von anderen solchen Plattformen grundlegend unterscheiden: Bevor über die Crowdfunding-Webseite oder über die Internetadresse der Gemeinwohlbank um Financiers geworben werden darf, muss einmal sichergestellt sein, dass das Projekt einen sozialen, langfristig-nachhaltigen oder ökologischen Hintergrund hat. Und dann soll es ein umfangreiches Hearing geben, bei dem alle Genossenschafter der Bank für Gemeinwohl, derzeit sind es 4.500, über das Finanzierungsansuchen des Start-ups oder des Projekts diskutieren und die Für und Wider beleuchten können.

Expertise der Community gefragt

Und auch dann geht die Evaluierung noch weiter. "Wir zählen auf die Expertise der Genossenschafts-Community." Beispiel: Wenn es um die Finanzierung eines Windkraftprojektes geht und es unter den Genossenschaftern der Gemeinwohlbank einen Experten dafür gibt, kann sich der bei der Beurteilung des Finanzierungsansuchens besonders einbringen. Erst wenn ein Projekt diese Hürden erfolgreich bestanden hat, wird es dem Gemeinwohlbeirat vorgelegt, der aus Bankvorstand und -experten besteht.

Mit diesem mehrstufigen Verfahren wolle man sicherstellen, dass nur wirklich valide Projekte zu einer Finanzierung ausgeschrieben werden, sagt Hechenberger. Derzeit würde auf vielen Plattformen um die Finanzierung von vielen Projekten und/oder Start-ups geworben, oft mit wenig Hintergrundrecherche oder Überprüfung der Wirtschaftlichkeit.

Label "Gemeinwohlgeprüft"

Projekte, die das Evaluierungsverfahren bestanden haben, bekommen dann das Label "Gemeinwohlgeprüft". So schaffe man eine Sicherheit, sagt Hechenberger. Die Prüfung habe das Potenzial, "standardisierte Rating- und Bewerbungsverfahren zu ersetzen", heißt es in einer Aussendung dazu. Die Kosten für die Plattformnutzer – also die Firmen- und Projektgründer: Zehn Prozent der abgeschlossenen Finanzierungssumme.

Diese Crowdfunding-Plattform – für die es noch keine fixe Internetadresse gibt – geht einher mit den Plänen, im heurigen Jahr anstatt der ursprünglich geplanten Vollbank im ersten Schritt nur ein Zahlungsinstitut zu errichten. Dieses wird ein Zahlungskonto mit Bankomatkarte anbieten, nicht aber die ansonsten typischen Bankdienstleistungen wie Kredit oder Sparbuch. (Johanna Ruzicka, 10.1.2017)

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