Frankreich verstärkt vor Wahlen Hackerabwehr

10. Jänner 2017, 06:00
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Die Regierung warnt vor der Desinformation durch mutmaßlich russische Hacker: Bedroht sei die Infrastruktur des Staates

Frankreich sorgt sich um seine Wahlen. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Operationen wie in den USA den französischen Wahlprozess zu stören versuchen", sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag. "Ich rufe deshalb alle zu höchster Wachsamkeit auf."

Es sind nicht nur diffuse Ängste, die Le Drian veranlasst haben, die Alarmglocke zu läuten. Die Angriffe auf französische Stellen finden ihm zufolge schon heute statt. 24.000 Hackerattacken haben die Abwehrdienste im vergangenen Jahr auf staatliche Ziele gezählt. "Mehrere Hundert" waren laut Le Drian "ausgefeilt, mit einer echten Absicht zu schaden". Versucht wurde zum Beispiel, Armeedrohnen zu destabilisieren.

Bedroht sei die ganze Infrastruktur des Staates, führte der Minister weiter aus. Als Beispiel nannte er die Wasser- und Stromversorgung, Medien und Behörden. 2015 war in Paris schon der öffentlich-rechtliche TV5 Monde, spezialisiert auf internationale Meldungen, von einem ominösen "Cyberkalifat" außer Betrieb gesetzt worden. Der französische Geheimdienst kam allerdings zum Schluss, dass dahinter eher die aus Russland operierende Hackergruppe Fancy Bear steckte.

Favoriten russlandfreundlich

Sicher ist, dass in Russland das Interesse an den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im kommenden Mai groß ist. Die derzeitigen Favoriten gelten als eher russlandfreundlich. Die Rechtsextremistin Marine Le Pen hat in der Vergangenheit schon von Partnern des russischen Präsidenten Wladimir Putin Zustimmung erhalten, der Konservative François Fillon tritt für die Aufhebung der europäischen Russlandsanktionen ein. Russische Informationskanäle wie "Sputniknews" bringen jede Stellungnahme Le Pens, am Sonntag etwa die eher banale, sogar in Paris kaum wiedergegebene Meinung, ihre wichtigsten Gegenkandidaten sagten alle das Gleiche.

Und das ist nur der sichtbare Teil des russischen Interesses an den französischen Wahlen. Wie Le Drian sagte, sind vor allem die politischen Parteien durch Hackerangriffe "verwundbar".

Bedrohung deutlich gestiegen

"Wir dürfen nicht naiv sein", sagte Le Drian, "in den letzten drei Jahren ist die Cyberbedrohung auch gegen unsere militärische Apparatur bedeutend geworden." Ohne die russischen Adressaten beim Namen zu nennen, hatte er schon im Dezember Staaten angeprangert, "über deren Boden oder Infrastruktur die Hackerattacken erfolgen, ohne dass sie dieser Staat verhindern würde".

Der Minister kündigte nun an, er schaffe ein eigentliches "Cyberkommando", das direkt dem Generalstab unterstellt sei. Die Zahl der "Cybersoldaten" werde verdoppelt, um bis 2019 mindestens 2600 Armeeangehörige zu umfassen. Die Pariser Medien sprechen nach dieser Ankündigung bereits von einer "vierten Armee" neben Heer, Marine und Luftwaffe. (Stefan Brändle aus Paris, 10.1.2017)

  • Für russische Medien ein Dreigespann: Putin, Le Pen, Trump.
    foto: ap / pavel golovkin

    Für russische Medien ein Dreigespann: Putin, Le Pen, Trump.

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