Höhere Fleischsteuer stößt auf Ablehnung

10. Jänner 2017, 09:00
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Die Forderung des deutschen Umweltbundesamts zeigt, wie schwierig eine Ökologisierung des Steuersystems ist. Auch in Österreich

Berlin/Wien – Der Idee einer Erhöhung der Umsatzsteuer auf Fleisch und Milchprodukte, wie in Deutschland kürzlich gefordert, würde auch in Österreich hohe Wellen schlagen. Die bäuerlichen Interessenvertreter sprachen sich umgehend dagegen aus: Man habe bei der österreichischen Produktionsweise "in der Milch- und Fleischproduktion die niedrigsten Treibhausgasemissionen im EU-Vergleich", erläuterte ÖVP-Landwirtschaftssprecher und Bauernbundpräsident Jakob Auer in einer Aussendung.

Reguläre Umsatzsteuersätze

Bekanntlich hat das deutsche Umweltbundesamt vorgeschlagen, die Umsatzsteuer auf tierische Nahrungsmittel von den derzeit sieben auf die regulären 19 Prozent hinaufzusetzen. Dies wäre eine Ökologisierung des Steuersystems und damit ein Beitrag zum Klimawandel. Denn durch eine Verteuerung von Fleisch und Milch würde deren Konsum zugunsten von Gemüse, Getreide und Obst zurückgehen.

Theoretisch wäre auch in Österreich, wo der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch bei 68 Kilogramm pro Jahr liegt, bei einer Besteuerung Luft nach oben. Bei Lebensmitteln wird der niedrige Steuersatz von zehn Prozent angewendet.

Daran, meint Franz Sinabell, Agrarexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), sollte nicht gerüttelt werden. Denn der Konsument würde auf Eigenimporte ausweichen und sich vermehrt in billigeren Nachbarstaaten eindecken. Diese Entwicklung sei bereits in der Schweiz zu beobachten, wo das Preisniveau viel höher als im EU-Umland ist, da sich die Schweiz mit ihrer Agrarpolitik gegenüber der EU abzuschotten versuche. Sinabell: "Eine solche Steuererhöhung kann bei einem großen Staat wie Deutschland funktionieren, kaum aber in einem kleinen Land."

Doch ist die grundsätzliche Problematik, die durch die deutsche Behördenforderung aufgezeigt wurde, gegeben. Die Methanemissionen aus dem Verdauungstrakt von Rindern umfassen 4,1 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Österreich. Allerdings, betont die Landwirtschaftskammer, sind diese Emissionen seit 1990 um 15,7 Prozent gesunken. Dafür sei der Rückgang des Rinderbestandes verantwortlich.

Besonders emissionsarm

Außerdem betont man, dass Österreich wegen der Grasfütterung auf den Almen hinsichtlich des Verhältnisses Treibhausgase zu Kilo Fleisch besser abschneidet als Länder mit besonders viel Stallhaltung. Laut Studie vom Joint Research Centre werden im Durchschnitt der EU-Staaten bei der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch 22 Kilogramm Kohlendioxidäquivalent (CO2e) frei, in Österreich jedoch nur 14,2 Kilogramm. Das sei der niedrigste Wert in der EU.

Allerdings ist laut FAO (Food and Agricultural Organization der Uno) die industrialisierte Form der Landwirtschaft mittlerweile für 30 Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Ein hoher Fleischkonsum, so die Umweltorganisation Global 2000, benötigt enorme Agrarflächen. Für den Aufbau von einem Kilogramm Fleisch werden rund 15 kg Futtergetreide benötigt. (Johanna Ruzicka, 10.1.2017)

  • Die Fleischproduktion wird in Zukunft vermehrt auch unter dem Aspekt des Klimawandels kritisiert werden. Laut UN-Behörde FAO gehen 30 Prozent der weltweiten Treibhausgase darauf zurück.
    foto: apa/gaetan bally

    Die Fleischproduktion wird in Zukunft vermehrt auch unter dem Aspekt des Klimawandels kritisiert werden. Laut UN-Behörde FAO gehen 30 Prozent der weltweiten Treibhausgase darauf zurück.

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