Infiniti Q60: Die Lenkererhebung

15. Jänner 2017, 07:53
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Lenken per Kabel statt Lenksäule: Die erste By-Wire-Lenkung der Welt ist das technische Highlight im Q60. Emotionalisierung via Sportcoupé schadet der exotischen Premiummarke Infiniti prinzipiell aber auch nicht.

Das Jahr fliehet pfeilgeschwind, Termin jagt Termin, keine Zeit zum Innehalten. Erst zum großen Feste hin der Christenheit werden die Rufe seltener. Gern folgt man dann der letzten einsamen Anfrage, der von Infiniti, und reist in das gesegnete Land der Schweizer Eidgenossen. Ja gerne, der Standard ist dabei, Herr Riesen! Daniel Riesen ist Infiniti-Pressechef Schweiz und Österreich, er hub auch sogleich an, gemeinsam mit seiner Kollegenschaft, uns theoretisch in Kenntnis zu setzen über das Wesentliche am Q60, dem neuen Sportcoupé, auf dass wir uns zügig auf den Weg machen konnten.

foto: infiniti
Gestreckter Galopp in Rot. Die Stoßrichtung der neuartigen Lenkung geht in Richtung autonomes Fahren – was man mit dem Q60 eher nicht will, schon gar nicht in der Version mit 405-PS-V6.

1. Lenkung. Per Kabel. Großserienweltpremiere. Das heißt jetzt nicht, dass ein labbriges Kabel die harte mechanische Lenksäule (bleibt übrigens sicherheitshalber als Redundanz weiter an Bord) ersetzt, sondern da geht vorn der Lenkimpuls rein, wird quasi am Kabeleingang per Elektronik in lauter Nullen und Einsen übersetzt und bei Ankunft am Stellmotor wieder rückverdolmetscht in einen der Ausgangsintention entsprechenden Drehimpuls. Wobei Infiniti das Potenzial dieser im Topmodell serienmäßigen "direkt-adaptiven Lenkung" als Meilenstein für autonomes Fahren sieht – notfalls sorgt die Lenkung selbstständig für Spurhalten, in Zukunft sollen auch Spurwechsel semiautonom durchgeführt werden; außerdem sollten grobe Lenkschnitzer vom System automatisch korrigiert werden.

Premiumcoupé

2. Der ganze Rest. Der Q60 spielt in einer exklusiven Liga. Von diesen Premiumcoupés werden derzeit weltweit knapp 75.000 Autos verkauft, 36 Prozent davon in den USA, elf in Großbritannien, zehn in Deutschland, sieben in China. Die Hauptdarsteller heißen Mercedes C Coupé, BMW 4er, Audi A5, Lexus RC. Infiniti will sich ein größeres Stück vom Kuchen sichern. Wieder, sei ergänzt, denn mit dem G37 sammelte man seit 2007 bereits US-Marktleader-Erfahrung.

foto: infiniti

Der Q60 initiiert auch eine neue Designphilosophie, die was mit Fahrtbevollmächtigung zu tun hat und sich niederschlägt in "kraftvoller Eleganz". Stilistische Unverwechselbarkeit sicherstellen sollen Designelemente wie der Doppelbogengrill, die LED-Lichtgrafik und die sichelförmigen C-Säulen, eine Art Extremhofmeisterknick. Wer dennoch einen Hauch Mazda entdeckt, ist ein Schlingel.

foto: infiniti

Die Japaner spendieren dem Q60 einen brandneuen 3,0-Liter-Twinturbo-V6 mit g'schmackigen 405 PS, den gibt es nur mit Allrad. Das Basistriebwerk, kombiniert mit Hinterradantrieb, ist ein 2,0-Liter-Turbo mit 211 PS, der ebenso von Mercedes stammt wie die 7-Gang-Wandlerautomatik. Betrachtet man dann die Abmessungen – Länge/Breite/Höhe/Radstand Q60: 469/185/140/285 cm, C Coupé: 469/181/ 141/284 cm -, könnte man auf die Idee kommen, Kooperationspartner Mercedes liefere auch gleich die ganze technische Architektur. Das aber weist Infiniti entrüstet von sich.

Grandios und knapp

Tiger, Tiger, Flammenpracht in der Wälder dunkler Nacht: Welches Auge, welche Hand wagten deines Schreckens Brand: Mit William Blakes berühmtem Gedicht entließ man uns zum Auto, auf dass wir herumtigerten auf Schweizerlands Straßen. Doch erst senkt man den Blick auf Einmetervierzig und stellt verblüfft fest: So tief kann man heute noch mobil wohnen, in diesen SUV-Zeiten? Grandios. Die Frage "Wie viel fasst ihr Q60?" wäre, da Sportcoupé, mit "eine Tennisdoppel-Mannschaft" zu beantworten, hinten kommt das Verliererduo rein, der Platz dort ist knapp.

foto: infiniti

Der hochgeschätzte Kollege David S. setzte sich sogleich ans vorschussbelorbeerte Volant. Er hatte keine Mütze auf, aber er sah dennoch so aus. Der Nebel hatte gerade Bodenseeniveau erreicht und machte es sich etwas bequem. Sich zügig auf den Weg machen spielte es nicht, somit waren die Qualitäten des Fahrwerks kaum auslotbar. Die der Phänomenalweltpremierensuperzukunftslenkung schon eher. Erster Eindruck: na ja. Präzise und direkt ist anders. Fühlt sich recht schwammig an. Da gibt's noch viel Potenzial für Feinschliff. Andererseits lässt sich das Potenzial schon erahnen. Tendenz: Lenkererhebung einmal anders. Frohes neues Jahr. (Andreas Stockinger, 15.1.2017)

foto: infiniti

TECHNIK

Preispalette: 47.490 bis 73.028 € O 2 Benziner, 211 und 405 PS; 7-Gang-Wandlerautomatik, Hinterrad- und Allradantrieb O Dimensionen: L/B/H: 469/185/140 cm; Radstand: 285 cm; Kofferraum: 342 l O Sparsamste Motorisierung: 2,0t (211 PS); Normverbrauch (Stadt/ Land/gesamt): 9,2/5,4/6,8 l / 100 km; CO2: 156 g/km O Verbrauchsintensivste Motorisierung: 3,0t (405 PS); Normverbrauch: 13,1/6,8/9,1 l / 100 km; CO2: 208 g/km

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Infiniti

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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