"Astroneer" angespielt: Was "No Man's Sky" hätte sein sollen

    18. Jänner 2017, 09:36
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    Der Weltraumbaukasten im Early-Access macht sich jetzt schon viel besser als die gehypte Konkurrenz

    Natürlich, ohne geht’s nicht: Wer von Science-Fiction-Sandbox-Spielen spricht, die im prozedural generierten Weltraum spielen, kommt an einer Erwähnung von "No Man’s Sky" nicht vorbei. Das meistgehypte und mit teils großer Enttäuschung angenommene Indie-Spiel des vergangenen Jahres ist möglicherweise auch mit ein bisschen der Grund, warum "Astroneer" (Windows, Xbox One, 19,99 Euro; Early Access) von zahlreichen Spielerinnen und Spielern derart begeistert aufgenommen wurde: Das kleine Spiel macht in vielen Details richtig, was bei "No Man’s Sky" nach Ansicht mancher so gar nicht funktioniert hat.

    Dabei ist das Erstlingsspiel eines kleinen Studios in Seattle, dessen Mitglieder früher in der AAA-Branche tätig waren, weder fertig noch übermäßig ambitioniert – dem Spielspaß tut das allerdings sogar jetzt schon, in noch recht früher Alpha-Fassung, keinen Abbruch. "Astroneer" ist eine richtig "klassische" Sandbox: Als einsamer Astronaut landet man auf einem Planeten, erforscht die Umgebung samt weitläufigen Höhlen, sammelt Rohstoffe und baut schrittweise seine Basis aus. Essentiell wichtig ist dabei der Sauerstoff: Nur in unmittelbarer Nähe der eigenen Raumkapsel füllt sich der Vorrat wieder auf. Um größere Touren zu ermöglichen, kann der wie das ganze Spiel in niedlich bunter Cartoon-Optik gehaltene Astronauten-Ingenieur Stück für Stück eine rettende Sauerstoff-Nabelschnur auslegen; die versorgt dann nicht nur weit weg von Zuhause mit Luft, sondern markiert praktischerweise auch den zurückgelegten Weg.

    Unspektakulär gut

    Der Rest ist ebenso bekannt wie unverwüstlich: Wie im großen Genre-Urahn "Minecraft" liegt der Reiz der ersten Spielstunden im Erforschen und Ausbeuten der Umwelt und im stückweisen Ausbau des eigenen Zuhauses. Nach wenigen Stunden fleißigen Sammelns erweitert sich die Mobilität durch fabrizierbare Fahrzeuge drastisch: Während Rover und Truck die effiziente und schnelle Bewegung auf dem Planeten ermöglichen, erlauben Shuttle und Raumschiff sogar, diesen zu verlassen und zu neuen Planeten aufzubrechen – wo das Spiel von vorn beginnt. Der Abbau von Rohstoffen funktioniert dabei übrigens ebenso bequem per Mausklick wie das Wiederauffüllen der durch Grabungen entstandenen Löcher – der Kreativität beim Umgestalten der Landschaft sind dabei wenig Grenzen gesetzt.

    Wegen des frühen Pre-Alpha-Status sind viele der angekündigten Features momentan noch leere Versprechungen: Aliens, Artefakte, Survival-Gameplay und viele weitere Elemente sind aktuell nur Einträge auf der Entwickler-Roadmap. Auch mit Bugs muss regelmäßig gerechnet werden. Dass sich "Astroneer" trotzdem seit Mitte Dezember schon beachtliche 400.000 Mal auf Steam verkauft hat, ist dem Charme von Grafik, Konzept und Gameplay ebenso zuzurechnen wie dem von "No Man’s Sky" geweckten, aber nicht gestillten Appetit auf genau diese Sorte Spiel. Dass "Astroneer" dabei sogar – noch wacklig einzurichtendes – Multiplayerspiel mit aktuell bis zu vier zusammen werkelnden Astronauten erlaubt, macht es für viele Spielerinnen und Spieler wohl auch ein bisschen zum Balsam für die von enttäuschten Erwartungen blessierte Gamer-Seele.

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    Trailer zu "Astroneer"

    Achtung: Hoffnungskandidat

    Freilich: Als Pre-Alpha ist "Astroneer" selbst auch noch immer meilenweit von dem entfernt, was seine Entwickler versprechen. So unterhaltsam die ersten Stunden auch sind, der Mangel an Abwechslung und Inhalt wird spätestens beim zweiten Start ins Astronautenleben offensichtlich. Ein fertiges Spiel ist "Astroneer" beileibe nicht; unterhaltsam ist es dennoch schon jetzt. Wer simple Freude am Entdecken, Schaufeln und Graben in einer liebevoll gestalteten Planeten-Sandkiste hat, findet hier schon jetzt einen Hoffnungskandidaten mit viel Potenzial. (Rainer Sigl, 18.1.2017)

    "Astroneer" ist als Early-Access-Version für PC und Xbox One erschienen. UVP: 19,99 Euro

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