Zahl der Kältetoten in Europa steigt auf mindestens 38

9. Jänner 2017, 19:34
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Griechische Behörden bei Flüchtlingsunterbringung nicht auf Kälte vorbereitet

Wien/Moskau/Warschau – Die Zahl der Kältetoten in Europa hat sich auf mindestens 38 erhöht. Allein am Sonntag seien zehn Menschen erfroren aufgefunden worden, teilte das polnische Krisenzentrum RCB am Montag mit. Auf der griechischen Insel Lesbos mussten 2.500 Flüchtlinge ohne heißes Wasser und ohne Heizung in Zelten übernachten. In Istanbul konnten weniger als 300 der sonst üblichen 1.500 Flüge abgefertigt werden.

In einer Bilanz vom Wochenende waren in ganz Europa 23 Kältetote verzeichnet worden. Besonders durch die hohe Opferzahl in Polen erhöhte sich die Zahl am Montag auf 38 Tote. Schon seit Wochen gibt es in Polen besonders ausgeprägte Probleme bei der Verhinderung von Todesfällen aufgrund von Erfrierungen. Seit dem 1. November zählte das Krisenzentrum RCB 65 Kältetote.

Flüchtlinge zum Teil nur in Zelten

Die griechischen Behörden haben offenbar keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen, um die auf den Inseln notdürftig untergebrachten Flüchtlinge vor der aktuellen Kältewelle schützen zu können. "Es gibt ein echtes Problem", sagte ein Vertreter des Migrationsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Beispielsweise auf der Insel Lesbos hätten die Flüchtlinge im Lager Moria nur Zelte, um sich vor dem Schnee und der klirrenden Kälte in Sicherheit zu bringen.

Mehr als 15.000 Flüchtlinge sitzen derzeit auf den griechischen Inseln fest. Das Migrationsministerium macht die Kommunalverwaltungen für die Missstände verantwortlich. Der Griechenland-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen, Clement Perrin, erklärte, es sei "abscheulich", dass die Menschen "trotz der Versprechungen und Ankündigungen der EU bei eisigen Temperaturen immer noch in Zelten leben".

Türkei: Fährverbindungen ausgefallen

In der Türkei war nicht nur der Flugverkehr stark beeinträchtigt. Die Fährverbindungen zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil der Millionenmetropole Istanbul fielen aus, die Schulen blieben geschlossen, rund 7.000 städtische Bedienstete wurden beauftragt, mit 1.300 Fahrzeugen die Straßen zu räumen.

In Weißrussland gab es zwei Kältetote. Die Temperaturen fielen am Wochenende zeitweise auf minus 30 Grad. In Tschechien erhöhte sich die Zahl der Kältetoten von drei auf sechs. Es handelte sich nach Behördenangaben vor allem um Obdachlose. In Serbien fielen die Temperaturen auf bis zu minus 33 Grad. Die Schifffahrt auf Donau und Save wurde eingestellt.

In der Hauptstadt Belgrad suchten Flüchtlinge in einer Lagerhalle in der Nähe des Bahnhofs Zuflucht. "Niemand hilft uns, ich habe keine Ahnung, wie wir das ertragen sollen", sagte der 16-jährige Afghane Ismail Chikimi. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, in Belgrad hielten sich derzeit 2.000 junge Menschen vor allem aus Afghanistan, Pakistan, dem Irak und Syrien in brachliegenden Gebäuden auf.

Zwei Todesfälle in Italien

Aus Italien wurden zwei Todesfälle gemeldet: Bei Brindisi wurde ein 82-jähriger Mann erfroren aufgefunden, in dessen Wohnung es keine Heizung gab. Ein 78-Jähriger fiel kältebedingt in Ohnmacht und stürzte zu Tode.

In Österreich sind am Wochenende zwar keine neuen Kälterekorde gemessen worden, tiefe Temperaturen wird es aber laut ZAMG-Prognose auch in den nächsten Tagen geben. In Wien waren die Notschlafstellen für Obdachlose zu 95 Prozent ausgelastet. (APA, 9.1.2017)

  • Schnee und Kälte in Thessaloniki am Montag – die Zahl der Kältetoten in Europa hat sich in den vergangenen Tagen weiter erhöht.
    foto: apa/afp/sakis mitrolidis

    Schnee und Kälte in Thessaloniki am Montag – die Zahl der Kältetoten in Europa hat sich in den vergangenen Tagen weiter erhöht.

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