"Shadow Tactics: Blades of the Shogun" im Test: Ein Segen für "Commandos"-Fans

Rezension11. Jänner 2017, 10:13
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Das deutsche Echtzeittaktikspiel lässt Genrefans als Ninjas tüfteln

Rundenstrategiespiele sind spätestens seit der Wiedergeburt der "XCOM"-Reihe angesagt, doch das war nicht immer so: Von ewigen 4X-Klassikern wie "Civilization" abgesehen, hatten vor etwa zehn Jahren Echtzeitstrategiespiele den altehrwürdigen Titeln den Rang als Strategie-Könige abgelaufen. Eine besonders interessante Nische stellte für viele Spieler damals jene der Echtzeittaktikspiele dar: In Spielen wie "Commandos" oder "Desperados" befehligten Spielerinnen und Spieler darin kleine Teams von Spezialisten in Echtzeit durch den Zweiten Weltkrieg oder den Wilden Westen, um mit viel Mikromanagement gefährliche Missionen zu erledigen. Der Aufbau von Basen oder große Materialschlachten spielten keine Rolle, stattdessen galt es, seine wertvollen Helden mit Sorgfalt und gutem Timing möglichst unbeschadet ans Ziel zu lotsen.

Jahrelang war es um dieses spannende Subgenre der Echtzeitstrategie totenstill, doch mit "Shadow Tactics: Blades of the Shogun" (Windows, Mac, Linux, 39,99 Euro; PS4, Xbox One in Vorbereitung) kehrt die Spielidee in neuem Glanz auf die Bildschirme zurück – und kann nicht nur alte Fans begeistern. Das Setting ist altbekannt, aber trotzdem frisch: Im feudalen Japan der Edo-Periode kämpfen Kriegsherren um die Macht. Im Auftrag des Shogun gilt es, knifflige Spezialeinsätze tief hinter feindlichen Linien zu bestehen – und unzählige Soldaten, Wachen und Spezialeinheiten der feindlichen Übermacht geschickt auszuschalten oder zu umgehen.

Das kleine Team aus Spezialisten besteht dabei aus einem Ninja, einem Samurai, einer Spionin, einer Diebin und einem greisen Scharfschützen, die allesamt spezielle Fähigkeiten, Stärken und Schwächen ins Feld mitbringen. Ganz zu Beginn sind Spielerinnen und Spieler mit dem einsamen Ninja allein unterwegs, doch schon bald erweitert sich das Team.

Tüfteln und Töten aus dem Hinterhalt

Der direkten Konfrontation mit dem Feind sollte aus dem Weg gegangen werden, stattdessen gilt es, sich koordiniert und möglichst ungesehen einen Weg durch die teils riesigen, wunderschön im stylischen Cartoon-Look gestalteten 13 Levels zu bahnen. Die Herausforderungen, die sich dem Team dabei stellen, sind beinahe so etwas wie knifflige Puzzles, die sich nur durch cleveren, gut getimten Einsatz der Mitglieder bewältigen lassen und durchaus auch Improvisation und verschiedene Lösungsmöglichkeiten erlauben. So können feindliche Wachen abgelenkt, angelockt, einzeln oder – dank des bärenstarken Samurai – auch in kleinen Gruppen auf einen Schlag ausgeschaltet werden. Wichtig ist dabei stets gutes Timing und Vorsicht: Gerät eine der Spielfiguren zum ungünstigen Zeitpunkt ins Blickfeld einer patrouillierenden Wache, heißt es ganz schnell "Game over".

"Shadow Tactics" übernimmt die besten Elemente der großen Klassiker, fügt aber bequeme Details hinzu, die das Spiel auch für Neueinsteiger perfekt abrunden. Da sich viele der unzähligen Kampfsituationen am besten durch Versuch und Irrtum bewältigen lassen, sorgt eine simple Quicksave-Quickload-Funktion für minimalen Frust; ein Timer zeigt dabei sogar im Spiel an, wieviel Zeit seit dem letzten rettenden Schnellspeichern schon verstrichen ist. Weil stets drei aktuelle Qicksaves zur Auswahl bleiben, ist auch die Gefahr versehentlichen Speicherns an ungünstigen Stellen gebannt. Die Sichtkegel der Wachen lassen sich für selbst bestimmbare Orte anzeigen und besonders haarige Situationen können durch ein originelles Feature noch koordinierter aufgelöst werden: Jeder Einheit lässt sich vorab im Planungsmodus ein Befehl erteilen, per Tastendruck schlagen dann alle zusammen koordiniert zu.

daedalic entertainment
Trailer zu "Shadow Tactics: Blades of the Shogun"

Knifflige Wiedergeburt eines Klassikers

Nicht nur Freunde der Klassiker "Commandos" und "Desperados" werden sich an der Wiedergeburt des Echtzeittaktikgenres erfreuen, sondern auch Neueinsteiger können sich in "Shadow Tactics" davon überzeugen, dass die originelle Mixtur aus Echtzeit, Stealth und Action zehn Jahre nach ihren Glanzzeiten noch spielerisch frisch geblieben ist. Etwas Geduld und Frustresistenz sind allerdings auch deshalb angeraten, weil das Samurai-Abenteuer, ganz im Sinne der großen Urahnen, alles andere als einfach ausgefallen ist.

Bis die letzte der 13 großen Missionen erfolgreich absolviert ist, vergehen je nach Geschick über 20 Stunden, in denen unzählige Tode und neue Versuche geradezu Teil des Spielkonzepts sind. Gelingt ein Überfall auf eine ahnungslos ihre Runden ziehende Patrouille nach mehreren Anläufen perfekt, stellt sich allerdings verlässlich Euphorie und Stolz auf den erfolgreich ausgetüftelten Schlachtplan ein. Die Mühen des Mikromanagements, die Herausforderungen des Timings und das nervenzerreißende Antreten gegen eine Übermacht sind dann ebenso vergessen wie die Tatsache, dass die Spielmechanik von "Shadow Tactics" eigentlich ein Oldie ist. Nicht nur für Genrefreunde ist "Shadow Tactics: Blades of the Shogun", das übrigens beim Deutschen Entwicklerpreis 2016 den Hauptpreis als "Bestes Deutsches Spiel" und zusätzlich den ersten Preis in der Kategorie "Bestes Game Design" verliehen bekam, ein absolut gelungener Start ins Spielejahr. (Rainer Sigl, 11.1.2017)

Shadow Tactics: Blades of the Shogun ist für PC erschienen. Versionen für PS4 und XBO folgen.

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