Argentinische Comics gegen Diktatur, Faschismus und Atomkrieg

9. Jänner 2017, 14:59
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Das Salzburger Literaturhaus widmet dem Schriftsteller Héctor Germán Oesterheld und dem Zeichner Francisco Solano López eine Ausstellung

Wenig bekannt ist, dass Argentinien eine große Comic-Tradition hat. Einem der wichtigsten Graphic-Novel-Künstler aus dem Land Maradonas widmet das Salzburger Literaturhaus nun eine Ausstellung, die am Donnerstag mit Vorträgen, Gesprächen und Musik eröffnet wird. Die Rede ist vom 1919 in Buenos Aires geborenen Schriftsteller Héctor Germán Oesterheld, der mit dem Zeichner Francisco Solano López zwischen 1957 und 1959 die Science-Fiction-Comic-Serie El Eternauta publizierte.

Es ist eine von der damaligen Weltlage geprägte Endzeitgeschichte, eine Reaktion auf den Kalten Krieg, die Angst vor der Atombombe, den US-Imperialismus und die Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt: In Buenos Aires fällt Schnee, der jeden, der mit ihm in Berührung kommt, sofort tötet. Juan Salvo überlebt, in einem Taucheranzug erkundet er die Umgebung und muss feststellen, dass Außerirdische die Metropole attackieren. Salvo, seine Familie und die wenigen Überlebenden leisten Widerstand.

So weit die Story, die so ähnlich auch in anderen Büchern und Filmen des Genres auftaucht. Hier mit einer gewichtigen Änderung: Bei Oesterheld und López ist Salvo kein Superheld mit übernatürlichen Kräften, sondern einer, der ohne seine Mitmenschen nichts ist. Als 1976 das Militär putschte und die faschistische Junta Andersdenkende verschleppen und ermorden ließ, war Oesterheld mit seinen vier erwachsenen Töchtern in den Untergrund gegangen. Dort wurden sie entführt und sind bis heute verschwunden.

Der Berliner Comic-Verleger Johann Ulrich, in dessen Avant-Verlag Eternauta erstmals auf Deutsch erschienen ist, erörtert dieses Thema. Im Anschluss diskutiert er mit Kuratorin Anna Kemper, der argentinischen Künstlerin Cristina Colombo und Tomas Friedmann über Comic und Diktatur. (dog, 9.1.2017)

12. 1., Salzburg, Literaturhaus, 19.30 / Schau: Mo-Do: 10.00- 17.00 sowie bei Abendveranstaltungen. Bis 6.4.

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