Kein "Geld zurück" bei Scheitern: ZTE finanziert "Klebe-Handy" auf Kickstarter

9. Jänner 2017, 17:59
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Nur wenige fixe Angaben zu "Hawkeye"-Smartphone mit Eyetracking – "Kleingedrucktes" sieht anderes Smartphone als Kompensation vor

Über mehrere Monate hat Elektronikhersteller ZTE Ideen zu neuen Mobilgeräten gesammelt und schließlich in einem Wettbewerb ein Konzept küren lassen, welches verwirklicht werden soll. Als Sieger des "Crowd Sourced X"-Contests (CSX) ging schließlich ein Smartphone mit einer ungewöhnlichen Kombination aus Features hervor.

Das Gerät mit dem Arbeitstitel "Hawkeye" (Falkenauge) vereint laut Konzept eine optionale Hülle mit an verschiedenen Oberflächen haftender Rückseite und kamerabasiertem Eyetracking. So soll sich das Handy einfach an die Wand "kleben" lassen, um dank "Senseye" ohne Einsatz der Hände etwa durch ein Rezept zu scrollen, da das Telefon automatisch erkennen soll, welchen Textteil man gerade im Blick hat.

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Kickstarter-Kampagne

Zur Umsetzung setzt ZTE allerdings nicht nur auf eigene Geldmittel. Das Unternehmen hat auf Kickstarter eine Finanzierungskampagne ins Leben gerufen, über welche man bis 19. Februar 500.000 Dollar einsammeln will. Wer 199 Dollar (aktuell etwa 189,2 Euro) beisteuert soll laut Plan im September 2017 das Telefon erhalten, noch bevor es für die Allgemeinheit zum Verkauf angeboten wird.

Mit genaueren Spezifikationen hält man sich aktuell bedeckt. Der Eyetracking-Sensor soll bis auf drei Textzeilen genau arbeiten. Dazu sollen auch Sprachkommandos unterstützt werden, um etwa beim Lesen von Dokumenten zur nächsten Seite zu blättern.

Wenig konkrete Spezifkationen

Daneben listet ZTE außerdem ein 5,5-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) sowie eine rückseitige Doppelkamera mit "erweiterten Aufnahme- und Zoomfunktionen", Hi-Fi-Audio, einen "großen" Akku mit Quickcharge-Support, Support für zwei SIM-Karten oder Speicherkarte, Fingerabdruckscanner und Android 7 "Nougat" als Betriebssystem. 2G und 3G sollen weltweit unterstützt werden, außerdem die in den USA gängigsten LTE-Bänder unterstützt werden.

Präzisere Angaben oder eine Nennung des verwendeten Chipsatzes und der Kapazität des integrierten Speichers fehlen. Die existierenden Angaben sind zudem nicht in Stein gemeißelt, sondern als "zu erwarten" ausgeschildert. In Kommentaren zu Nutzerfragen verspricht ZTE USA, dass die Bildschirmgröße und das Dualcam-Setup "definitiv" feststehen, obwohl die Abbildungen des letzten Prototyps noch ein Gerät mit einer Hauptkamera zeigen.

Kein "Geld zurück" bei Scheitern

Potenziell ist "Hawkeye" für Unterstützer also ein Schnäppchen, allerdings ist auch eine Enttäuschung denkbar – etwa wenn vorgesehene Features doch noch gestrichen oder eingeschränkt werden oder der Eyetracking-Sensor nicht zufriedenstellend funktioniert. Freilich besteht auch das Risiko, dass die Entwicklung des Smartphones nach einer erfolgreichen Finanzierung scheitert. Und hier lohnt sich ein Blick auf das "Kleingedruckte" bzw. den letzten Absatz der Projektbeschreibung auf Kickstarter.

"Im unwahrscheinlichen Falle, dass ZTE die Fertigstellung des ‘Projekt CSX‘-Produkts nicht möglich ist", heißt es dort, "haben Kickstarter-Unterstützer, die den Belohnungsbetrag [Anm. d. Red.: 199 Dollar] oder mehr beigetragen haben, ein Anrecht auf ein ZTE-Smartphone gleichen Wertes."

Heißt: Bei einem Misserfolg ist keine Rückerstattung vorgesehen. Stattdessen gibt es lediglich Kompensation mit einem anderen Handy. Im selben Preisbereich wie "Hawkeye" befinden sich auf Amazon.de aktuell recht unspektakuläre Mittelklassegeräte wie das ZTE Blade V7 oder das Blade A610.

Lauwarmer Start für Finanzierung

Diese Bedingungen sind zwar besser als bei vielen anderen Kampagnen, bei denen die Beitragenden im Worst Case um ihren gesamten Beitrag umfallen, das Vorgehen wirft aber dennoch Fragen auf. Denn während auf Kickstarter und Co. oft Start-ups mit engem Budget ihre Produkte zu finanzieren versuchen, steht hier ein global agierender Konzern mit beachtlichen Ressourcen hinter der Kampagne.

Derweil bleibt aber ohnehin noch abzuwarten, ob sich genug Interessenten für das "Klebe-Handy" finden. Die am 4. Jänner gestartete Finanzierung steht aktuell bei rund 35.000 Dollar. Laut Trendprognose des Analysedienstes Kicktraq wird sie mit einer erwarteten Gesamtsumme von etwa 260.000 Dollar ihr Mindestziel klar verfehlen. Die Berechnung ist aufgrund der bisher vergangenen Zeitspanne allerdings nur von beschränkter Aussagekraft. (gpi, 09.01.2017)

  • Abbildung eines Prototypen von "Hawkeye", noch ohne Dualkamera.
    foto: zte

    Abbildung eines Prototypen von "Hawkeye", noch ohne Dualkamera.

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