Junge Selbstständige sehen schwarz-rosa

9. Jänner 2017, 15:01
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Jungunternehmer sind zunehmend pessimistisch, was Österreichs Wirtschaft angeht. Trotzdem steigt ihr Vertrauen in den eigenen Betrieb

Wien – Mit der österreichischen Wirtschaft geht es im ersten Halbjahr 2017 bergab. Das erwartet mehr als die Hälfte der jungen Unternehmer, die an einer Umfrage des Market-Instituts im Auftrag der Jungen Wirtschaft (JW) teilgenommen haben. 53 Prozent der 1.060 Befragten gaben an, eine negative Erwartung für die allgemeinen Konjunktur des Landes zu haben. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als bei der letzten Befragung im Sommer 2016. Amelie Groß, neue Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, spricht von einem "katastrophalen Wert".

Die Junge Wirtschaft gehört zur österreichischen Wirtschaftskammer. Sie ist die Interessensvertretung aller Selbstständigen, die nicht älter als 40 Jahre sind, und hat nach eigenen Angaben rund 35.000 Mitglieder. Zweimal jährlich fragt die Organisation bei jungen Unternehmern nach, was sie vom nächsten Halbjahr erwarten. Während sie für die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs zunehmend schwarzsehen, sind sie für ihre eigenen Firmen optimistischer.

Rund ein Drittel von ihnen (32 Prozent) erwartet sich höhere Erträge für den eigenen Betrieb. Das sind elf Prozentpunkte mehr als noch im Sommer 2016. Außerdem wollen Jungunternehmer 2017 wieder mehr investieren. 29 Prozent planen, ihre Investitionen im kommenden Jahr zu steigern. Nach Rückgängen in den vergangenen Jahren macht sich damit wieder Zuversicht breit, was die Entwicklung der eigenen Geschäfte angeht.

Beste Stimmung seit Jahren

Dass die befragten Selbstständigen ihre eigene Zukunft zunehmend positiv sehen, ist für den Ökonomen Stefan Schiman verständlich. Schließlich sei das Land grundsätzlich ein guter Standort für junge Unternehmer. Den negativen Ausblick auf die Gesamtwirtschaft versteht er aber nicht. "Da ist wohl eine Portion Pessimismus vorhanden, der in der aktuellen Konjunkturlage für mich nicht nachvollziehbar ist."

Schiman erstellt Prognosen für das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Er beobachtet Österreichs Konjunktur sehr genau. Und so gut wie seit Ende 2016 sei es schon lange nicht mehr gelaufen, sagt der Ökonom. Das liege unter anderem an der Steuerreform und an Initiativen wie der Reform der Gewerbeordnung und niedrigeren Eigenkapitalerfordernissen. Besonders für Jungunternehmer, die wegen ihrer meist kleinen Betriebe stark vom inländischen Markt abhängig sind, sei die Zeit gerade besser als in den vergangenen vier Jahren. Von der bereits beschlossenen Senkung der Lohnnebenkosten verspricht sich Schiman einen weiteren Aufschwung.

Bessere Bildung, weniger Abgaben

Damit junge Unternehmer insgesamt wieder positiv in die Zukunft blicken können, fordert die neue Vorsitzende der Jungen Wirtschaft Groß eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten. Auch eine Senkung der Körperschaftssteuer auf zunächst 22,5 Prozent und mittelfristig 20 Prozent soll Erleichterungen für Unternehmen bringen.

Zu ihrem Kernthema will Groß Bildung machen. Sie fordert unter anderem Ganztagsschulangebote, damit später alle Kinder Zugang zum Arbeitsmarkt finden können, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem sozialen Milieu. In diesem Punkt erwartet sich Groß Bewegung bei der mitregierenden ÖVP.

Dass es höchste Zeit sei, im Bildungssystem etwas zu ändern, zeige die Pisa-Studie jedes Jahr aufs Neue. "Ich hätte in meinem Betrieb keinen Job für jemanden, der nicht lesen kann", sagt die 30-jährige Unternehmerin. (Philipp Bauer, 9.1.2017)

  • Amelie Groß ist neue Vorsitzende der Jungen Wirtschaft in der Wirtschaftskammer. Für die 30-jährige Unternehmerin ist Bildung ein Kernthema, um den Standort Österreich zu stärken.
    foto: apa/robert jäger

    Amelie Groß ist neue Vorsitzende der Jungen Wirtschaft in der Wirtschaftskammer. Für die 30-jährige Unternehmerin ist Bildung ein Kernthema, um den Standort Österreich zu stärken.

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