Streusalz: Die Kristalle, die dem Winter die Tücken versalzen

8. Jänner 2017, 18:08
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Es ist Zeit zum Salzen: Mit dem Auftaumittel bleiben Gehsteige und Straßen schneefrei

Jetzt ist also wieder die Zeit, in der Natriumchlorid das Salz in der Suppe der Gehsteig- und Fahrbahnenteisung ist. Wobei man sagen muss, dass die im Volksmund Streusalz genannten Auftaumittel nicht immer Kochsalz sind – auch andere Stoffe können den Gefrierpunkt von Wasser so weit senken, dass der Spaziergang nicht mit Beulen, Platzwunden und Knochenbrüchen endet.

Erst vor etwa 100 Jahren sind die Menschen auf die Idee gekommen, den Winter zu versalzen – begonnen hat es in Paris. In Deutschland und Österreich werden die kleinen Kristalle erst seit rund 50 Jahren eingesetzt. In Österreich sind es mittlerweile zwischen 200.000 und 300.000 Tonnen pro Saison.

Die Freude über eisfreie Wege wurde aber rasch getrübt. Denn umweltfreundlich ist die Ausbringung nicht. In einer Ausgabe der Zeit aus dem Jahr 1979 ist zu lesen, das bereits 1968 die ersten Botaniker von gravierenden Salzschäden an Straßenbäumen berichteten. Ende der 70er-Jahre stellte ein anderer Forscher fest, dass das Oberflächenwasser des Schliersees in Bayern einen Salzgehalt aufwies, der jenem des Atlantiks nahekam.

Nicht nur Böden und Gewässer werden belastet, das Salz erhöht auch die Feinstaubbelastung, entzündet Pfoten von Haustieren und greift Beton- und Metallteile an. Was nicht einer gewissen Ironie entbehrt – die Maßnahme, die auch im Winter hurtige Fahrt auf der Straße ermöglichen soll, beschädigt beispielsweise Brücken und die Karosserien der Fahrzeuge. Ungefähr die Hälfte der Rostschäden an Autos wird in Österreich durch Streusalz verursacht, schätzt die Umweltberatung Wien.

Kein Wunder also, dass nach Alternativen gesucht wird. Produkte mit Harnstoff sind beispielsweise eine solche. Betrachtet man nur die Bäume, sind sie das harmloseste Mittel, folgerte eine Studie der Boku Wien im Jahr 2000. Allerdings ist die Verwendung dieser stickstoffhältigen Auftaumittel in der Bundeshauptstadt generell verboten. Der Grund: Der Dünger belastet Gewässer und Böden noch viel stärker als das Salz.

Wer weder rutschen noch Bäume töten will, sollte laut Experten daher am ehesten zu Kaliumcarbonat vulgo Pottasche greifen. Der Stoff senkt einerseits bei Temperaturen bis zu minus fünf Grad ebenfalls den Gefrierpunkt des Wassers, zusätzlich macht er das Eis weniger rutschig. Wer aber wirklich auch im Winter die Welt retten will, dem bleibt nur der Griff zur Schneeschaufel. (Michael Möseneder, 8.1.2017)

  • Als Streusalz sind sie bekannt, tatsächlich gibt es viele Auftaumittel.
    foto: apa

    Als Streusalz sind sie bekannt, tatsächlich gibt es viele Auftaumittel.

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