Nur 17 Prozent sehen die besten Leute an der ÖVP-Spitze

9. Jänner 2017, 06:00
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Die Wahlberechtigten halten die Volkspartei für ideenarm – aber auch für unverzichtbar im Parteienspektrum

Linz – Was wäre eigentlich, wenn die ÖVP nicht in der Regierung wäre – würden die Österreicher da persönliche Nachteile haben? Nur zwölf Prozent der Wahlberechtigten sind dieser Meinung, 62 Prozent dagegen sagen, dass das eher nicht der Fall wäre. Das geht aus der aktuellen Market-Umfrage für den STANDARD hervor.

400 Personen über 16 wurde eine Liste mit Aussagen über die Volkspartei vorgelesen – wobei die größte Zustimmung zur Aufforderung kam, dass sich die ÖVP auf die Interessen von Arbeitnehmern konzentrieren sollte. Das raten ihr zwei Drittel der Befragten.

Kein klares Profil

Sechs von zehn Wahlberechtigten meinen aber auch, dass die ÖVP eine Partei wie jede andere sei. "Für die Austauschbarkeit der Volkspartei spricht auch, dass nur 16 Prozent der Befragten sagen, dass die ÖVP viele neue Ideen in die Politik bringen würde – nicht einmal erklärte ÖVP-Wähler sind da sonderlich überzeugt davon, dass ihre Partei viel einzubringen hätte", sagt Market-Institutsleiter David Pfarrhofer.

Der Meinungsforscher verweist allerdings darauf, dass mehr als die Hälfte der Befragten auch der Meinung ist, dass das österreichische Parteienspektrum ohne die ÖVP unvollständig wäre: "Die kleinere Regierungspartei ist fest im politischen Bewusstsein der Österreicher verankert. Aber die ÖVP leidet darunter, dass ihr immer wieder Personaldebatten aufgezwungen werden. Das überdeckt einerseits die Sachpolitik: Da hält man dann eben eine Partei für ideenarm, weil ja in den Medien nur über die Politiker, nicht aber über die Inhalte berichtet wird. Dazu kommt, dass dann auch mehr als die Hälfte der Befragten bezweifelt, dass die Volkspartei ihre besten Leute an der Parteispitze hätte."

Schwarze Zweifler

Auch diese Zweifel reichen weit in die schwarze Anhängerschaft hinein, etwa jeder zweite erklärte ÖVP-Wähler meint, dass die ÖVP eben nicht von ihren besten Leuten vertreten würde. Wobei 29 Prozent der Befragten der ÖVP eine große Personalreserve ("hat viele Persönlichkeiten, die für ein Ministeramt geeignet wären") zutrauen, eine relative Mehrheit der Befragten meint auch, dass sich die Volkspartei mit ihren Regierungsbeteiligungen auf Landesebene bewährt hätte.

"Die ÖVP ist eine Bürgermeister- und Landeshauptmannpartei – und die Österreicher sind, wie wir aus vielen Umfragen wissen, mit der Politik auf Gemeinde- und Landesebene im Schnitt viel zufriedener als mit der Politik auf Bundesebene", sagt Pfarrhofer.

Jüngere Befragte wollen VP in Opposition

Und die Bundesebene? Pfarrhofer: "Wer heute 30 Jahre alt ist, der hat sein ganzes Leben immer unter einer Regierung gelebt, in der die ÖVP vertreten war. Aber das macht nicht unbedingt zufrieden – während eine relative Mehrheit der Österreicher will, dass die ÖVP auch in der nächsten Bundesregierung vertreten ist, sind gerade die jüngeren Befragten eher dagegen." Konkret sagen 42 Prozent, dass die ÖVP auch nach der nächsten Wahl (mit)regieren sollte, 31 Prozent sind dagegen und 27 Prozent ist es egal.

Die ÖVP-Wähler sind ziemlich geschlossen für eine künftige Regierungsbeteiligung, die Wähler von Grünen und Neos sind deutlich dagegen – bei den Anhängern von SPÖ und FPÖ halten sich Befürworter und Gegner einer schwarzen Regierungsverantwortung etwa die Waage.

Kein klarer Plan für die Zukunft

Dabei ist die Erwartung, dass es mit der ÖVP in der Regierung mit Österreich aufwärts ginge, nicht sehr weit verbreitet, nur 14 Prozent sehen das so. Und nur 18 Prozent trauen der ÖVP zu, dass sie einen klaren Plan hat, wie es mit Österreich weitergehen soll.

Übrigens: Auch wenn die ÖVP derzeit in Umfragen zur Nationalratswahl schwächelt – jeder zweite Wahlberechtigte sagt, dass er oder sie schon einmal bei einer Wahl auf irgendeiner Gemeinde-, Landes- oder Bundes-Ebene die Volkspartei gewählt hat. (Conrad Seidl, 9.1.2017)

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