Wissenschaftsrat fordert Absicherung der Marke Uni

9. Jänner 2017, 07:02
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Scharfe Kritik an zu niedrigen Mindestanforderungen für Privatuniversitäten

Wien – Es ist eine "Empfehlung", die es in sich hat: Der unabhängige Wissenschaftsrat, der den Wissenschaftsminister, die Unis, den Nationalrat und die Landtage berät, fällt in einem neuen Bericht über die "Privatuniversitäten in Österreich" ein harsches Urteil. Darin steht nämlich explizit: "Die derzeit im Privatuniversitätengesetz definierten Mindestanforderungen sind für den Typus Universität zu niedrig angesetzt."

"Nicht dienliche" Gründungsdynamik

Das heißt im Klartext: Hier firmieren Institutionen im Hochschulsektor unter der Marke "Universität", die deren Ansprüchen nicht gerecht werden. Die gesetzlichen Grundlagen würden zudem eine "Gründungsdynamik" erlauben, "die "als unabgestimmt und dem österreichischen Wissenschafts- und Hochschulstandort als nicht dienlich zu bezeichnen sind". Das Gremium empfiehlt Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) daher "dringend" eine Novellierung des gesetzlichen Rahmens mit dem Ziel, dass die Privatunis "in jedem Fall" die Qualitätsstandards der öffentlichen Universitäten übernehmen und einhalten.

Neuer Typ Privathochschule

Der Wissenschaftsrat empfiehlt unter dem Dach "Private Hochschule", unterschiedliche Institutionen zu etablieren. Wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, sollen sie den Titel "Privathochschule" tragen dürfen. Erfüllt sie universitäre Qualitätskriterien (z. B. kritische Masse von Studierenden, fest angestelltes, habilitiertes Lehrpersonal), darf sich die Einrichtung mit dem Namen "Privatuniversität" schmücken. Das Promotionsrecht soll nicht mehr so "großzügig" vergeben werden.

"Verbraucherschutz" für Studierende

Jedenfalls müssten die "Leitbegriffe" Universität und Fachhochschule "vor einer beliebigen Vergabe geschützt werden". Der notwendige Schutz der "Marke" Universität sowie Hochschule bzw. Fachhochschule diene "nicht zuletzt dem ,Verbraucherschutz' der Studierenden gegenüber einer bloßen Ausrichtung von Bildungsangeboten an kurzfristigen Marktbedürfnissen", heißt es.

Der neue Typus der "Privathochschule" solle künftig "den Bereich jener privaten Einrichtungen abdecken, die weniger auf Forschung als auf Lehre und praktische Ausbildung abzielen". Was die Finanzierung anlangt, wird "im Sinne der Transparenz im Hochschulsektor eine Offenlegung empfohlen". (Lisa Nimmervoll, 9.1.2017)

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