Angelika Möser: Klänge aus der Schatztruhe der Dokumente

8. Jänner 2017, 16:43
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Die Direktorin des Wiener Schönberg-Centers im Gespräch über Wasserschäden, Austausch und Finanzen

Wien – Ihr Vorgänger Christian Meyer war seit 1998 Gründungsdirektor des Schönberg-Centers. Eine Erfahrung hat ihm die seit Sommer als Nachfolgerin tätige Angelika Möser allerdings längst voraus – eine Feuer- und Wassertaufe quasi, auf die sie gerne verzichtet hätte: "Fünf Wochen nachdem ich begonnen hatte, gab es einen Brand in der Kuppel des Gebäudes. Als ich sah, wie die Feuerwehr das Wasser reinzupumpen begann, war klar: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Wasser zu uns durchdringt."

Tatsächlich war es in drei Stunden an der Bibliotheksdecke angelangt. "Kurz davor hatten wir aber die letzten der 5000 Bücher aus der Bibliothek evakuiert. 150 Gemälde waren schon vorher weggebracht worden, und auch der Shop wurde ausgeräumt."

20 Leute hätten geholfen, Schlimmes zu verhindern: Es kam niemand zu Schaden, und "dem Nachlass ist nichts passiert. Die Bibliothek blieb allerdings zwei Monate lang geschlossen." Nach verhinderter Katastrophe dürfte doch endlich Platz für Überlegungen gewesen sein, wie dem Schönberg-Center, das sehr gut da stand, doch Impulse zu verleihen wären. "International werden wir sehr beachtet, hierzulande könnten wir allerdings noch stärker ins Bewusstsein rücken."

Austausch statt Elfenbeinturm

Konzerte in Kombination mit Vermittlungsarbeit sind eine Möglichkeit: "Wir wollen ja kein Elfenbeinturm sei, in dem nur geforscht wird. Selbst bei Kennern merke ich: Wenn anwesende Künstler etwas erzählen, spricht das die Leute an. Wir wollen letztlich eine offene Plattform des Austauschs sein, auch Kooperationen mit Veranstaltern sind wichtig – wie jene mit Wien Modern oder dem Klangforum." Natürlich wäre es auch schön, "wenn auch Schulklassen vermehrt ins Schönberg-Center kämen."

Wichtig ist Angelika Möser, die im Wiener Konzerthaus gearbeitet hat und danach Chefin der Jeunesse war, auch die von Helmut Schmidinger betreute Komponierwerkstatt: "Wir haben sechs junge Komponisten, 14 bis 17 Jahre alt, eingeladen und mit Musikern zusammengebracht. So bekommen sie auch wertvolle Hinweise zur Praxis, wenn es etwa darum geht, Ideen und Passagen so zu notieren, dass sie für die Musiker auch spielbar sind. Es gibt unmittelbares Feedback."

Die Welt im Foto

Am 15. 1. ist das diesbezügliche Abschlusskonzert zu erleben. Und wer es besucht, wird auch die aktuelle Fotoausstellung nicht verschmähen: Erstmals wurde dabei der umfangreiche fotografische Nachlass Arnold Schönbergs aufgearbeitet. In rund 200 Objekten und zahlreichen Repliken spiegeln sich Leben und bewegte Zeit des Komponisten.

"Wir haben an die 3500 historische Fotos und 1000 Negative. Daraus speist sich diese Ausstellung", so Möser, die für 2018 eine Jubiläumsschau (das Center wird 20) plant, bei der Schönberg und die Literatengruppe Jung-Wien Thema sind.

Finanziell sieht Möser "keinen Grund zum Jammern. Bei der Jeunesse musste ich jeden Cent umdrehen, es gab ja 15 Jahre lang keine Valorisierung der Subventionen, was einen Wertverlust von 40 Prozent bedeutet hat. Ich kann der Schönberg-Familie nur danken, die mit der Stadt Wien einen Vertrag abgeschlossen hat, der eine diesbezügliche jährliche Anpassung vorsieht."

Zur Kulturpolitik

Bei der hiesigen Kulturpolitik sieht Angelika Möser doch einigen Bedarf an Entscheidungsfreude: "Das Problem ist, dass man sich nicht langfristig überlegt, was Strategie sein soll, wo Schwerpunkte zu setzen wären und was man wirklich will. Es ist sicher nicht leicht, aber man muss entscheiden. Ich will niemandem etwas wegnehmen, und natürlich wäre das Beste eine Budgeterhöhung im Kulturbereich. Das Geld wird aber nicht mehr. Beim Schönberg-Center hat man sich damals langfristig mit einem Betrag gebunden. Das war so eine mutige Grundsatzentscheidung." (Ljubisa Tosic, 8.1.2017)

15. 1., Abschlusskonzert der Komponierwerkstatt, 11.00 Uhr

Arnold Schönberg Center

  • Angelika Möser – seit Sommer Chefin des Schönberg-Centers.
    foto: newald

    Angelika Möser – seit Sommer Chefin des Schönberg-Centers.

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