Vier Tote bei Anschlag auf Soldatengruppe mit Lastwagen in Jerusalem

8. Jänner 2017, 18:22
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Premier Netanjahu: Mutmaßlicher Attentäter war Anhänger der IS-Terrormiliz

Jerusalem – Bei einem Anschlag mit einem Lastwagen im Osten Jerusalems sind am Sonntag mindestens vier Menschen getötet und rund 15 verletzt worden. Der Lastwagenfahrer sei Polizeiangaben zufolge in dem Stadtteil Armon Hanaziv in eine Gruppe von Soldaten gefahren, die gerade aus einem Autobus gestiegen waren. Polizeichef Roni Alsheich bezeichnete die Tat als "Terrorattacke". Alle Anzeichen würden darauf hindeuten, dass es sich um einen Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) handelte, sagte Premier Benjamin Netanjahu am Sonntag.

Die Soldaten seien aus einem Bus ausgestiegen, um sich an einen beliebten Aussichtspunkt mit Blick auf die Altstadt von Jerusalem zu begeben, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Plötzlich sei der Lastwagenfahrer auf die Gruppe zugerast. Einen Unfall schließe man aus.

Soldaten hätten schnell reagiert und den Angreifer erschossen, so Polizeichef Alsheich. Der mutmaßliche Attentäter sei demnach Palästinenser gewesen und stammte aus dem arabischen Ostteil Jerusalems. Vor dem Anschlag habe es keine konkreten Warnungen gegeben. Man könne nicht ausschließen, dass der Angreifer von der Attacke auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember – der ebenfalls mit einem Lkw durchgeführt worden war – beeinflusst worden sei, so Alsheich weiter. Über weitere Details der Ermittlungen wurde eine Nachrichtensperre verhängt.

Ob es Hintermänner oder Komplizen bei dem Anschlag gab, blieb vorerst also unklar. Bisher bekannte sich niemand zu der Tat, die radikalislamischen Hamas bezeichnete den Angriff aber als "heldenhafte Operation".

Junge Todesopfer

Bei den Toten handelt es sich um Armeeangehörige, drei Frauen und einen Mann zwischen 20 und 30, teilten die örtlichen Rettungskräfte mit. Drei Verletzte befanden sich am Sonntagabend noch in ernstem Zustand.

Nir Barkat, der Bürgermeister Jerusalems, rief die Bevölkerung auf, wachsam zu sein und "den Terror nicht siegen zu lassen". Leider gebe es "keine Grenze der Grausamkeit der Terroristen, die vor nichts zurückschrecken, um Juden zu ermorden und das Leben in Israels Hauptstadt zu stören".

Armon Hanaziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine "ewige, unteilbare Hauptstadt". In dem Stadtteil war es seit Beginn der neuen Gewaltwelle im Herbst 2015 immer wieder zu Angriffen gekommen. (red, 8.1.2016)

  • Sicherheitskräfte am Ort des Geschehens nach dem Attentat.
    foto: apa/afp/ahmad gharabli

    Sicherheitskräfte am Ort des Geschehens nach dem Attentat.

  • Die Schüsse, die den Attentäter am Steuer des Lastwagens außer Gefecht setzten, wurden aus der Gruppe der Soldaten abgegeben, die zuvor gerammt wurde.
    foto: reuters/ronen zvulun

    Die Schüsse, die den Attentäter am Steuer des Lastwagens außer Gefecht setzten, wurden aus der Gruppe der Soldaten abgegeben, die zuvor gerammt wurde.

  • Rettungskräfte am Einsatzort.
    foto: apa/afp/ahmad gharabli

    Rettungskräfte am Einsatzort.

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