Flugausfälle in Europa, nur noch elf Grad minus in Österreich

8. Jänner 2017, 12:22
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Hermagor war Österreichs kältester Ort der vergangenen Nacht – Unfälle auf glatten Farbahnen, Lawinengefahr in Westösterreich – Flugausfälle in Istanbul und Moskau

Wien – Die extreme Kälte der vergangenen Tage ist in Österreich vorbei. In Tannheim in Tirol und Radstadt in Salzburg, wo in der Nacht auf Samstag auf minus 26 Grad gemessen wurden, herrschten in der Nacht auf Sonntag mit minus 4,9 und minus 10,9 Grad vergleichsweise milde Temperaturen.

Abgesehen von den "Dreitausendern" Sonnblick und Brunnenkogel, auf deren Gipfel die ZAMG mit 17 Grad minus die Tiefstwerte der vergangenen Nacht registrierte, war die Kärntner Bezirksstadt Hermagor mit minus 14,8 Grad der Kältepol Österreichs. Dann folgten laut ZAMG-Messungen Mönichkirchen in Niederösterreich mit minus 13,7 und Weitensfeld in Kärnten mit 13,6 Grad.

Auch in Salzburg – zwei Nächte in Folge kälteste Landeshauptstadt mit einem Tiefstwert von 18 Grad minus – sind die Temperaturen kräftig gestiegen: in der vergangenen Nacht auf knapp acht Grad minus.

Lawinengefahr in Westösterreich

Dafür fiel in den Salzburger Gebirgsgauen und im angrenzenden Bezirk Kitzbühel in Tirol der meiste Schnee: Bis 7.00 Uhr früh registrierte die ZAMG einen Viertelmeter Neuschnee in Fieberbrunn und jeweils 20 Zentimeter in Krimml und Badgastein. Gut 20 Zentimeter Schnee fielen auch in Lunz in Niederösterreich.

Der Schnee und die glatten Fahrbahnen haben am Sonntag Auto- und Lastwagenfahrern das Leben schwer gemacht. Nach Angaben des ÖAMTC ist es auf mehreren Autobahnen zu Unfällen gekommen. Auf der Innkreis-Autobahn (A8) zwischen Meggenhofen und Haag am Hausruck in Oberösterreich ereignete sich den Informationen zufolge bei glatten Fahrbahnen ein Unfall mit mehreren Fahrzeugen. Es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Ebenfalls auf Glätte seien Unfälle auf der Westautobahn (A1) zwischen Wallersee und Salzburg-Nord sowie bei Altlengbach in Niederösterreich zurückzuführen. Auf der Ostautobahn kam bei Schwechat ein Pkw von der Fahrbahn ab. Auf der A1 zwischen Altlengbach und Böheimkirchen blieb ein Lkw hängen, außerdem ereignete sich ein Unfall. Weitere Schwerfahrzeuge blieben laut ÖAMTC auf der Wiener Außenring-Autobahn (A21) hängen.

In Westösterreich besteht auch am Sonntag oberhalb von 2.000 Metern erhebliche Lawinengefahr, also Stufe "3" der fünfteiligen Skala. Gefahrenbereiche konzentrierten sich laut den Experten weiterhin vor allem auf ältere Triebschneepakete im schattenseitigen Steilgelände, die von Neuschnee überlagert werden und schon durch geringe Belastung abgehen können. Die Anzahl der Gefahrenstellen nehme dabei mit der Seehöhe zu.

Hunderte Flugausfälle in der Türkei

Der Wintereinbruch hat große Teile Europas weiterhin im Griff. Heftiger Schneefall hat in der türkischen Millionenmetropole Istanbul zu starken Verkehrsbehinderungen geführt. Au dem Flughafen Atatürk, dem größten der Türkei, seien die Inlandsflüge bis zum frühen Sonntagabend eingestellt worden, meldete die Nachrichtenagentur DHA. Auch zahlreiche internationale Verbindungen wurden gestrichen. Nach Angaben von DHA waren insgesamt mehr als 600 Flüge betroffen.

Der zwischenzeitlich eingestellte Schiffs- und Fährverkehr auf dem Bosporus wurde dagegen wieder aufgenommen. Wegen schlechten Wetters kam es in mehrere Stadtteilen Istanbuls zu Stromausfällen. Der Wind legte sich am Sonntag etwas, es schneite jedoch weiter. Der dichte Schneefall sollte Anfang der Woche noch anhalten.

Auch auf den Moskauer Flughäfen Scheremetjewo und Domodedowo fielen am Sonntag mehr als 80 Flüge aus. Anfang der Woche soll es Vorhersagen zufolge wieder wärmer werden.

Unter minus 30 Grad nahe Moskau

In der Nacht auf Samstag, zum orthodoxen Weihnachtsfest, war mit fast minus 30 Grad die tiefste Temperatur seit Winterbeginn in Russlands Hauptstadt gemessen worden. Der Kälterekord für den orthodoxen Heiligen Abend in Moskau liegt bei minus 34,8 Grad im Jahr 1891.

In der Ortschaft Klin nordwestlich von Moskau wurden 35,9 Grad unter Null gemessen, wie die Agentur Tass meldete. Nach Einschätzung von Meteorologen sind die Temperaturen zwölf bis 15 Grad niedriger als gewöhnlich in dieser Jahreszeit. Die Höchsttemperatur wurde 2007 mit plus 3,5 Grad gemessen.

In Nord- und Westdeutschland haben Blitzeis-Unfälle im Minutentakt Polizei und Rettungskräfte in Atem gehalten. Bei Hannover starb nach Polizeiangaben am Samstagabend ein 67-jähriger Autofahrer, der mit seinem Wagen ins Schleudern geraten und frontal gegen einen Baum geprallt war. Schwere Unfälle ereigneten sich auf Autobahnen in Nordrhein-Westfalen.

Ungewöhnlich tiefe Temperaturen in Griechenland

Bis zu minus 17 Grad und ungewohnt starke Schneefälle haben am Wochenende auch in Griechenland zu Chaos geführt. Straßen waren nicht passierbar, in vielen Orten brach die Strom- und Wasserversorgung zusammen. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. Ein Mann starb an Unterkühlung. Eine Frau erstickte nachts, weil sie mit einem provisorischen Kohleofen geheizt hatte und eingeschlafen war.

Auf den Inseln der nördlichen Ägäis lag mehr als ein halber Meter Schnee, die Schulen bleiben dort in den kommenden Tagen geschlossen. Und selbst auf der weit südlich gelegenen Insel Kreta herrschten Minusgrade. In der Hafenstadt Rethymno schneite es zum ersten Mal seit 40 Jahren. Vom tief verschneiten Gebirge Psiloritis stellten Wintersportler Videos von Snowboardern und Schneemobilen ins Netz und kommentierten: "Das ist kein europäisches Skiresort oder Nordgriechenland – das ist Kreta!"


Die Vorhersage für Österreich

An der Alpennordseite zwischen dem Salzkammergut und dem westlichen Niederösterreich schneit es am Montag zeitweise noch etwas, wobei sich das Schneefallgebiet langsam auf einzelne Nordstaulagen zurückzieht. Mit ein paar dichteren Wolken kann es auch im Norden noch strichweise etwas schneien. In den übrigen Landesteilen scheint die Sonne oft länger ungestört. Der Wind weht schwach bis mäßig, am Alpenostrand und in Föhnstrichen entlang des Alpenhauptkammes teils auch lebhaft aus Nordwest bis Nord. Frühtemperaturen minus 14 bis minus drei Grad, Tageshöchsttemperaturen minus fünf bis plus vier Grad.

Am Dienstag halten sich vor allem im Osten, im Donauraum und regional im Süden tief liegende Wolken und Hochnebelfelder zäh. Sonst gibt es oft strahlenden Sonnenschein. Am Nachmittag macht sich allerdings von Westen her eine Störungszone bemerkbar. Sie bringt einige stärkere Wolken, zum Abend im äußersten Westen auch erste leichte Schneefälle. Der Wind weht meist nur schwach, nur im Osten frischt mäßiger Südostwind auf. Frühtemperaturen minus 16 bis minus acht Grad, Tageshöchsttemperaturen minus sieben bis plus zwei Grad.

Am Mittwoch halten sich im Bergland im Westen zunächst ein paar tief liegende Wolkenfelder, aus ihnen können auch ein paar Schneeflocken fallen. Über den Niederungen kann es zunächst etwas Nebel oder Hochnebel geben. Tagsüber scheint aber dann zumindest zeitweise die Sonne. Am Nachmittag ziehen mit einer Störungszone von Nordwesten her wieder dichte Wolkenfelder auf. Abends setzt leichter Schneefall ein, dieser geht in der Nacht aber mehr und mehr in Regen über. Dabei besteht verbreitet Glatteisgefahr. Der Wind weht tagsüber nur schwach bis mäßig aus Südost bis West und frischt in der Nacht teils kräftig auf. Frühtemperaturen minus 15 bis minus zwei Grad, Tageshöchsttemperaturen minus fünf bis plus drei Grad.

An der Alpennordseite bleiben die Wolken auch am Donnerstag dicht und es regnet immer wieder. Abseits der Staulagen hingegen klingen die Niederschläge oft schon in den frühen Morgenstunden ab, stellenweise besteht aber noch Glatteisgefahr. Tagsüber scheint dann zeitweise die Sonne, am Nachmittag nimmt die Schauertätigkeit wieder zu. Weitgehend trocken bleibt es nur im Süden. Schneefallgrenze liegt bei 500 bis 1.000 Metern Seehöhe. Der Westwind bläst mäßig bis lebhaft. Frühtemperaturen je nach Wind minus zehn bis plus drei Grad, Tageshöchsttemperaturen zwei bis sechs Grad.

Am Freitag bringt eine Kaltfront verbreitet dichte Wolken und Niederschläge. Zunächst liegt die Schneefallgrenze noch zwischen 500 und 800 Metern. Bald schneit es aber wieder bis in tiefe Lagen. Der Westwind frischt lebhaft, im Westen auch kräftig auf. Frühtemperaturen minus sechs bis plus ein Grad, Tageshöchsttemperaturen null bis vier Grad. (APA, 8.1.2017)

  • Lästige Situation: Eiskratzen an Wintermorgen, weil der Zweitflieger keinen Platz in der Garage hat.
    foto: brahim yildlz/dha-depo photos via ap

    Lästige Situation: Eiskratzen an Wintermorgen, weil der Zweitflieger keinen Platz in der Garage hat.

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