Österreichs Türkei-Politik macht Unternehmern Probleme

8. Jänner 2017, 10:56
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Gegenwind von türkischer Seite für österreichische Investoren

Istanbul/Ankara – Das Vertrauen österreichischer Geschäftsleute in den türkischen Markt nimmt wegen der anhaltenden Terrorwelle ab. "Stabilität, Vorhersehbarkeit und Sicherheit sind wichtige Faktoren für Österreicher, um in der Türkei zu investieren", sagte der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Istanbul, Georg Karabaczek, im APA-Gespräch.

Daher zeigen sich viele Unternehmer abwartend und zurückhaltend in der momentanen Situation. Vor allem diejenigen, die die Türkei nicht kennen, würden mit Investitionen stärker zögern. Kaum ein Geschäftsmann, der mit dem Land noch nie etwas zu tun gehabt habe, komme noch. "Diejenigen, die die Türkei kennen, haben größeres Vertrauen in den hiesigen Markt", so Karabaczek.

Währung auf Rekordtief

"In den Medien wird ja gelegentlich die Situation hier so dargestellt, als herrsche Bürgerkrieg, dem ist aber natürlich nicht so", meint Karabaczek. Für Außenstehende sei dies beängstigend. Aber es gebe trotz der Suspendierung tausender Juristen und Richter eine grundsätzliche Rechtssicherheit im Land. Die Währung des Landes ist in den letzten Wochen auf ein neues historisches Tief gegenüber dem Dollar und dem Euro gefallen. Für österreichische Exporteure sei dies besonders problematisch. Denn österreichische Qualitätsprodukte wie etwa Spezialmaschinen verlieren dadurch an Konkurrenzfähigkeit am türkischen Markt.

"Doch trotz der politischen Unruhen ist die türkische Wirtschaft erstaunlich robust", findet Karabaczek. Die Märkte anderer Länder würden in einer solchen Situation wesentlich sensibler reagieren. Allerdings werde sich 2017 zeigen, in welche Richtung es weitergeht.

Folgenschwere Auseinandersetzung

Zusätzlich zu den innenpolitischen Problemen seien für die österreichischen Unternehmen die verbalen Schlagabtäusche zwischen Wien und Ankara problematisch. "Das hat uns stark beschäftigt und hatte mittelbare Konsequenzen", so Karabaczek.

Zwischen Wien und Ankara hat es im vergangenen Jahr mehrfach Ärger gegeben. Zuletzt verschärfte im Dezember die Forderung Österreichs nach einem Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei die ohnehin schon angespannten Beziehungen beider Länder. Der türkische Europaminister Ömer Celik kritisierte: "Österreich sabotiert die EU." Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte, er werde von nun an "auf allen Ebenen gegen Österreich auftreten".

Stornierungen

Österreichische Unternehmer haben Karabaczek berichtet, dass türkische Geschäftspartner schon unterzeichnete Verträge storniert haben. "Es findet kein Boykott österreichischer Produkte statt, aber es gibt Gegenwind von türkischer Seite uns gegenüber."

Die Fortführung der EU-Türkei-Beitrittsverhandlungen hält Karabaczek für wichtig. Denn nur mit dieser Perspektive würden Reformen in der Türkei angestoßen. "Für die Wirtschaft ist eine Annäherung sehr wichtig", sagt Karabaczek. (APA, 8.1.2017)

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