Winter: Schneestürme in Istanbul, Lawinengefahr in Österreich

7. Jänner 2017, 12:33
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Schiffsverkehr am Bosporus gesperrt – Obdachlose in Lettland und Polen erfroren – Schnee auch in Griechenland und Süditalien

Wien/Riga/Athen/Warschau/Rom/Istanbul – Wegen heftiger Schneestürme in der türkischen Millionenmetropole Istanbul ist der Bosporus am Samstag für den Schiffsverkehr gesperrt worden. Die Sichtweite auf der Meerenge zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer sei zeitweise unter 100 Meter gefallen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Hunderte Flüge wurden gestrichen.

Anadolu berichtete am Samstag, stellenweise seien in Istanbul über Nacht bis zu 40 Zentimeter Schnee gefallen. Die heftigen Niederschläge bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt führten zu starken Verkehrsbehinderungen in der hügeligen Stadt. Der Gouverneur von Istanbul richtete ein Krisenzentrum ein.

Eine Kaltfront hatte bereits am Freitag zu einem Temperatursturz in der Stadt geführt. Am Abend hatte zusätzlich zu stürmischem Wind dichter Schneefall eingesetzt, der den Vorhersagen zufolge noch den Samstag über andauern sollte. Auch für kommende Woche ist Schnee vorhergesagt.

Gefahrenstufe 3 von 5

Wintersportler in Westösterreich waren auch am Sonntag zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Es herrschte sowohl in Tirol als auch in Vorarlberg oberhalb von etwa 2.000 Metern erhebliche Lawinengefahr, also Stufe "3" der fünfteiligen Skala. Gefahrenbereiche konzentrierten sich laut den Experten weiterhin vor allem auf Triebschneepakete.

Obdachlose in Lettland erfroren

Die Kältewelle mit Temperaturen von unter minus 20 Grad hat in Lettland in der vergangenen Woche mehrere Todesopfer gefordert. Seit Silvester starben elf Menschen an den Folgen der eisigen Kälte, wie das staatliche forensisch-medizinische Institut am Freitag mitteilte. Dabei handelte es sich um sechs Männer und fünf Frauen.

Unter den Opfern seien mehrere Obdachlose und ein 86-jähriger Mann, der tot in seinem Haus in Riga aufgefunden wurde, berichtete die Agentur Leta. Der medizinische Notfalldienst appellierte an die Menschen, verstärkt auf alleinlebende Angehörige und Nachbarn zu achten.

Tote in Polen

Durch die seit Donnerstag in Polen herrschende Kälte sind an zwei Tagen mindestens zehn Menschen erfroren. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, starben am Freitag sieben Menschen, drei weitere am Vortag. Der Freitag sei bisher "der tragischste Tag in diesem Winter", hieß es seitens des Regierungszentrums für nationale Sicherheit. Die Zahl der Kältetoten seit 1. November stieg demnach auf 53. Nach Angaben der Wetterexperten dürfte sich die Kältewelle am Wochenende fortsetzen. Die Polizei bat die Bevölkerung, auf besonders gefährdete Menschen wie etwa Obdachlose zu achten.

Frost in Griechenland

Klirrende Kälte und Schneefall machen den Menschen auch rund um die Ägäis das Leben schwer. In Nordgriechenland herrscht seit Freitag Dauerfrost. Die Thermometer in der Hafenstadt Thessaloniki zeigten am Samstag minus sieben Grad. Zahlreiche Landstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar, wie die Polizei mitteilte. Auch im Zentrum Athens herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt.

In den Provinzen Epirus, Mazedonien und Thrakien wurden minus 14 Grad gemessen. Ungewöhnlich stark schneite es auf den nördlichen Ägäisinseln und den Sporaden, wie das Staatsfernsehen berichtete. Die Städte haben beheizte Hallen und U-Bahn-Stationen geöffnet, damit keine Obdachlosen erfrieren. Wärmer soll es erst Mitte der kommenden Woche werden, erwartete das Wetteramt.

Schneefall in Süditalien

Schnee und Eis machen auch Italien zu schaffen. Zu heftigen Schneefällen kam es vor allem im Süden des Landes. Die Adria-Hafenstädte Bari und Brindisi waren Samstag in der Früh verschneit. Angezuckert präsentierte sich auch das "Tal der Tempel" in Agrigent auf Sizilien mit seinen über 2000 Jahre alten Ruinen, berichteten italienische Medien.

In der süditalienischen Region Basilikata werden die Schulen nach der Weihnachtspause am Montag nicht öffnen. Einige Gemeinden in der Apennin-Region Molise waren ohne Strom und Wasser. Die Straßen waren blockiert, die Temperaturen sanken auf Minus zehn Grad. Ganz Italien befinde sich im "Griff polarer Kälte", schrieben italienische Medien.

Verletzt bei Minusgraden

Ein am Dreikönigstag in den oberösterreichischen Ennstaler Alpen abgestürzter Bergsteiger, der im steilen Gelände verletzt liegen geblieben war, ist Samstag früh lebend gefunden werden. Die Suche nach dem Mann war am Abend witterungsbedingt abgebrochen worden. Er überstand die eisige Nacht bei zweistelligen Minustemperaturen relativ gut und wurde in ein Spital eingeliefert, berichtete die Polizei.

"Es sieht so weit gut aus", gab sich ein Beamter vorsichtig optimistisch. Der 35-Jährige war am Freitagnachmittag beim Abstieg vom Großen Pyhrgas im Bezirk Kirchdorf an der Krems abgestürzt. Per Handy rief er seine Mutter an, sie solle die Einsatzkräfte verständigen. Insgesamt 60 Bergsteiger, acht Alpinpolizisten und ein Polizeihubschrauber suchten bei widrigsten Verhältnissen nach dem Verletzten. (APA, red, 7.1.2017)

  • Schnee lähmt den Alltag in der türkischen Metropole.
    foto: apa/afp/yasin akgul

    Schnee lähmt den Alltag in der türkischen Metropole.

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