Kurt Hüpfner: Evolutionstheoretiker unter Orang-Utans

8. Jänner 2017, 10:00
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In der Ausstellung "Aus dem Verborgenen" im 21er-Haus nähert man sich einem Einzelgänger der österreichischen Kunstszene

Wien – Eigentlich wäre es ihm am liebsten gewesen, anonym auszustellen, sagt der Künstler Kurt Hüpfner. Dass da so Dinge stehen, von denen Betrachter nicht wissen, wer sie gemacht hat. Dass der 1930 geborene Wiener nun im 21er-Haus eine seiner ersten musealen Ausstellungen hat, freut ihn dann aber doch auch.

Im dazugehörigen Interview, geführt von einem Team des Belvedere und in der Schau Aus dem Verborgenen ebenfalls zu sehen, bleibt dies nicht der einzige Selbstwiderspruch. Versäumen sollte man dieses jedenfalls nicht, will man den Grafiken, Assemblagen, Plastiken Hüpfners näherkommen.

"Dame mit schöner Frisur"

Kleine Objekte, zusammengebaut auch aus gefundenen Materialien, scheinen hier rituelle Gegenstände zitieren zu wollen. Eine Zeichnung, die einen gekreuzigten Donald Duck zeigt, erzählt von der Auseinandersetzung des Künstlers mit der Pop-Art, deren Ausdrucksmittel er für Sozialkritik einsetzte. Eine geschwungene Gipsplastik mit kegelförmigem Seegras-Hütchen – Dame mit schöner Frisur (1963) – lässt indes an Dadaismus oder Surrealismus denken.

Tatsächlich bildet eine surrealistische Technik, das "automatische Schreiben", einen wichtigen Bezugspunkt für Hüpfner. Nachdem der gelernte Gebrauchsgrafiker und Karikaturist diese das Unbewusste erschließende Methode 1962 in Paris für sich entdeckt hatte, nutzte er sie für seine Skizzen.

Anpassung, die übers Ziel hinausschießt

Ein Schlüssel zur Schau ist aber auch die Plastik The Hypertelist: "Hypertelie" ist ein Begriff der Evolutionstheorie und bezeichnet eine Anpassung, die über ihr Ziel hinausschießt. Was der vielseitig gebildete Hüpfner daraus für seine Suche nach neuen Formen lernte, ist das Konzept der Übertreibung.

Dass Hüpfner ein Außenseiter blieb, dürfte übrigens nicht nur mit der im Interview deutlich zu spürenden Einzelgängermentalität zu tun haben, sondern letztlich auch mit seiner Vorliebe für das Unbewusste als Ideengeber: "Wenn eine Zeichnung auf Zufall beruht, dann kann ich mir nicht auf die Brust trommeln wie ein Orang-Utan." (Roman Gerold, 7.1.2017)

Bis 26. 2., 21er-Haus

  • "Black Mess" (sic!) heißt dieses undatierte Bild Kurt Hüpfners.
    foto: belvedere, wien

    "Black Mess" (sic!) heißt dieses undatierte Bild Kurt Hüpfners.

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