Roboter-Busse: Hierzulande wohl bald Realität

6. Jänner 2017, 16:25
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Im deutschsprachigen Raum setzt nach Karlsruhe und Salzburg nun auch Mannheim probeweise einen fahrerlosen Bus ein

Selbstfahrende Busse sind auf deutschen und österreichischen Straßen nur extrem selten zu sehen – und wenn doch, dann nur auf Testfahrt auf gesondert ausgewiesenen Strecken. Künftig könnten es mehr "RoboShuttles" werden. Nach Karlsruhe setzt auch Mannheim probeweise einen fahrerlosen Bus ein. In Österreich ist ein fahrerlose Bus in Salzburg aktiv. Ein Überblick über das Thema autonomes Fahren im Nahverkehr.

Wie weit sind wir beim "autonomen" Fahren?

Selbstfahrende – "autonome" – Fahrzeuge sind ein großes Thema in der Auto-, Lkw- und Busbranche, die Hersteller tüfteln an immer weiter reichenderen Automatisierungsfunktionen. Einparkhilfen oder Stau-Assistenten sind längst Realität, sie sind aber nur erste Schritte auf dem Weg zum großen Ziel: ein komplett von selbst fahrendes – also "autonomes" – Fahrzeug auf deutschen Straßen. Im öffentlichen Straßenverkehr sind solche Fahrzeuge nur im Testbetrieb zu sehen – ein Mensch ist immer mit von der Partie, auch weil das Gesetz das so vorschreibt. Deutsche Politiker wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sehen das Thema autonomes Fahren positiv, etwa weil sie durch die Automatisierung auf weniger Unfälle hoffen.

Haben die Roboterfahrzeuge auch im Nahverkehr eine Zukunft?

Klares Ja. Aber: Technisch gesehen sind Robobusse eine große Herausforderung. "Im Nahverkehr sind autonome Fahrzeuge schwieriger einzusetzen als auf der Autobahn, wo sie in gleichem Tempo weite Strecken zurücklegen können", sagt Peter Fuß von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Der Verkehrsfluss sei in der Stadt nun mal viel anspruchsvoller zu analysieren für die Maschinen, etwa weil Fußgänger plötzlich auf der Straße auftauchen oder weil vor Ampeln oder Zebrastreifen angehalten werden muss. Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach sagt: "Das Thema Roboterbusse wird eine ganz wichtige Rolle spielen im Verkehr."

Setzt der Nahverkehr denn schon auf die neue Technik?

Ja, aber nur in Tests. Im Regelbetrieb gibt es fahrerlose Verkehrsmittel bisher lediglich als Züge, etwa die Bahn zwischen den Terminals am Frankfurter Flughafen. Doch die Verkehrsgesellschaften haben das Potenzial erkannt, im Herbst wurde beispielsweise ein automatisierter Mini-Bus für eine Testfahrt in Karlsruhe vorgestellt – im Rahmen eines "Testfeldes" für autonomes Fahren. Den gleichen Typus Bus will der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) ab Sommer im Rahmen eines Forschungsprojektes als "RoboShuttle" in Mannheim einsetzen, am Freitag gab es eine Testvorführung bei Tempo 20. Die Bahn testet zudem seit Ende vergangenen Jahres bereits automatisierte Minibusse in Berlin und Leipzig.

In Bayern und in Niedersachsen gibt es ebenfalls Teststrecken für autonomes Fahren, auf denen auch Roboterbusse eingesetzt werden können. Im Oktober sollen zudem automatisierte Kleinbusse vom baden-württembergischen Kehl nach Straßburg in Frankreich fahren, um Besucher zu einer Fachmesse zu bringen. In anderen Staaten ist man schon weiter, in Singapur fährt ein automatisierter Kleinbus im normalen Verkehr. Zwei autonome Elektrobusse sind seit 2016 fast täglich in der Schweizer Stadt Sitten (Sion) testweise unterwegs. In Salzburg fahren drei fahrerlose Busse seit Oktober 2016.

Wie funktioniert ein fahrerloser Bus überhaupt?

Der in Mannheim eingesetzte Typ EZ10 fährt von selbst, also autonom. Das kleine Elektrofahrzeug mit nur sechs Sitz- und sechs Stehplätzen hat kein Lenkrad, es gibt keine Vorder- oder Rückseite – es kann seine Richtung wechseln, ohne umdrehen zu müssen. Gesteuert wird der Bus unter anderem mit Sensoren, Video und GPS. Ein Techniker ist an Bord, der notfalls eingreifen kann.

Was ist der große Vorteil von Robobussen im Nahverkehr?

Durch menschliches Versagen sterben viel zu viele Menschen, etwa eine Million Verkehrstote gibt es Schätzungen zufolge weltweit jedes Jahr. "Mit autonomen Bussen kann man den Verkehrsfluss viel besser steuern, und es geschehen deutlich weniger Unfälle", sagt Verkehrsexperte Fuß. "Die Sicherheit auf den Straßen wird zunehmen, wenn mehr solcher Busse eingesetzt werden." Professor Bratzel betont Kostensenkungen: Neue U- oder S-Bahn-Verbindungen wären teuer zu bauen, der Einsatz von Roboterbussen hingegen relativ günstig. Auch weil Personalkosten eingespart werden könnten, wenn keine Fahrer mehr gebraucht werden.

Kommunen versprechen sich zudem Vorteile auf dem Land. Hier könnte das Nahverkehrsangebot ausgebaut werden, weil Fahrten weniger Betriebskosten verursachen. So muss nicht jede Verbindung mit geschultem Personal und großen Fahrzeugen bedient werden.

Wann könnte in Deutschland der erste Robobus im Regelbetrieb fahren?

Was nach Zukunftsmusik klingt, ist aus Expertensicht eine Frage weniger Jahre. "Es wird nicht lange dauern bis zum Durchbruch", sagt Fuß. "Das wird in den nächsten fünf Jahren passieren, wenn der Gesetzgeber das zulässt – schließlich ist die Technik schon jetzt sehr weit." Bratzel sieht es ähnlich – er spricht von "Anfang der 2020er Jahre". Vermutlich, schätzt er, werde es erstmal Roboterbusse auf separaten Spuren geben oder in Fußgängerbereichen, wo sie langsam von A nach B pendeln. (APA, 6.1.2017)

  • Auch in Salzburg düst ein Roboterbus
    foto: apa/gindl

    Auch in Salzburg düst ein Roboterbus

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