Baumax-Aus beschert der Branche keinen Kick

8. Jänner 2017, 10:00
219 Postings

Einzelne Marktteilnehmer verbuchen zwar Umsatzsteigerungen – Aufbruchstimmung bleibt aber aus

Wien – Genau ein Jahr ist es her, dass Obi auf einen Schlag 48 der 49 übernommenen Baumax-Standorte wiedereröffnet und damit eine neue Ordnung am österreichischen Heimwerkermarkt geschaffen hat. Die Bilanz nach dem ersten Jahr ohne Baumax ist für die Marktteilnehmer dennoch ernüchternd, vielmehr fallen einige durch Untätigkeit und Zögerlichkeit auf. "Wir gehen davon aus, dass der Markt insgesamt zurückgegangen ist", sagt Wolfgang Richter, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Regiodata. Obi ist laut Richter mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent Marktführer, es folgen Lagerhaus mit 20 Prozent sowie Bauhaus und Hornbach mit je 15 Prozent.

Richter rechnet mit einer Konsolidierung in der Baumarktbranche. Am meisten Potenzial habe das Lagerhaus, er sehe dort aber wenig Aktivitäten. Hornbach überlege immerhin, mit kleineren Betriebstypen in Städte und Shoppingcenter zu gehen. Von Bauhaus höre man gar nichts. "Generell ist es erstaunlich ruhig in der Branche", wundert sich Richter.

Diese habe sich in den vergangenen Jahren weder nach vor noch nach hinten bewegt. Das liege daran, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich nicht gut sei; Renovierungen und Hausbau würden hintangestellt. Außerdem würden Umsätze ins Internet abwandern. Noch tue das der Branche nicht weh, doch werde man über kurz oder lang reagieren müssen, etwa durch kleinere Läden und individuellere Betreuung. Zu den Gewinnern zählen nicht nur Obi und das Internet, sondern auch der Lebensmittelhandel und Gärtnereien, die Umsätze zu sich umleiten konnten.

Hartes Pflaster

Trotz Wegfalls des ehemaligen Branchenprimus bleibe die Branche ein hartes Pflaster, sagt Susanne Übellacker, Berufsgruppensprecherin für den österreichischen Baustoffhandel in der Wirtschaftskammer (WKO): "In Österreich ist im Baumarktbereich mehr als genug Verkaufsfläche vorhanden." Auch wenn Obi den einen oder anderen Ex-Baumax-Standort wieder schließe, wie man höre, werde sich daran nichts ändern.

Die Branche sei immer stark umkämpft gewesen, das werde auch in den kommenden Jahren so bleiben. Positiv sei, dass es heuer keinen Baumax-Abverkauf mehr gegeben habe. "Den Abverkauf hat man vergangenes Jahr bei den Spannen und beim Umsatz gespürt, das hat einigen wehgetan", erklärt Übellacker. Was die Branche schmerze, sei das Nachwuchsproblem. "Wir verkaufen Arbeit und Staub, haben schwierige Arbeitszeiten, der Verdienst ist nicht der höchste." Es sei schwierig, Lehrlinge zu finden, viele interessierten sich mehr für die Elektronikbranche oder den Sporthandel.

Unterschiedliche Folgen

Sieht man sich die jüngsten Jahresabschlüsse der größten Marktteilnehmer an, wird deutlich, dass sich die Neuordnung sehr unterschiedlich ausgewirkt hat. Obi musste für die Baumax-Integration tief in die Tasche greifen – knappe 60 Millionen Euro wurden fällig -, dafür sorgten 48 Baumax-Standorte vom Start weg für ein kräftiges Umsatzplus. Während die ehemaligen Baumax-Standorte gut performten, gingen die Umsätze in den Eigenfilialen zurück. Obi setzt in Österreich 230 Millionen Euro um. 2016 dürfte der Umsatz deutlich höher gelegen sein, da erstmals alle 49 Standorte umsatzwirksam werden.

Hornbach steigerte laut Jahresabschluss seinen Nettoumsatz in Österreich um knapp zehn Prozent auf 330 Millionen Euro, der Jahresüberschuss ging jedoch um mehr als die Hälfte auf 3,5 Millionen Euro zurück. Hornbach hat nur eine Baumax-Filiale übernommen. Das Umsatzplus stammt vor allem von zwei Neueröffnungen und dem Onlinegeschäft. Der niedrigere Gewinn wird auf die Eröffnungskosten und Werbung zurückgeführt.

Bauhaus legt zu

Bauhaus legte in Österreich zu, jedoch ohne einen einzigen Baumax-Standort übernommen zu haben. Der Umsatz stieg 2015 um knapp drei Prozent auf 334,1 Millionen Euro, der Gewinn um 50 Prozent auf 29 Millionen Euro. Auch Hagebau – das Unternehmen hat sich sechs Baumax-Standorte gesichert – erzielte 2016 mit "den Standorten in Deutschland und in Österreich" einen höheren Umsatz und Ertrag als im Jahr davor, hieß es im Bericht des Konzerns zum dritten Quartal.

Der Gesamtumsatz der Baumärkte liegt in Österreich bei 2,7 Milliarden Euro. Die Entwicklung war über die vergangenen Jahre minimal rückläufig. Im aktuellen Ranking ist Obi die klare Nummer eins vor Raiffeisen Ware Austria (Lagerhaus), Bauhaus, Hagebau/Öbau und Hornbach. (Thomas Pressberger, 8.1.2017)

  • Obi hat von der Baumax-Pleite profitiert. In Summe fehlt es der Baumarktbranche aber an Impulsen, mahnen Handelsexperten.
    foto: apa/herbert neubauer

    Obi hat von der Baumax-Pleite profitiert. In Summe fehlt es der Baumarktbranche aber an Impulsen, mahnen Handelsexperten.

Share if you care.