Deutschland plant einheitliche Digitaltickets in Nahverkehr

6. Jänner 2017, 15:34
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16 Millionen Euro Förderung für Vernetzungsprojekte

Ein einheitlicher Standard für elektronische Fahrkarten im deutschen Nahverkehr – das will die Regierung in den nächsten Jahren verwirklichen. Am Freitag fiel der offizielle Startschuss für zwölf vom Bund geförderte Projekte zu dem Thema, wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte. Dafür fließen bis Herbst nächsten Jahres insgesamt 16 Mio. Euro.

Der Nahverkehr werde täglich von vielen Millionen Menschen genutzt, erklärte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Um auch hier die Digitalisierung voranzutreiben, "brauchen wir deutschlandweit nutzbare Mobilitätsplattformen, die überregional und länderübergreifend Fahrgastinformationen verknüpfen und die Buchung von E-Tickets ermöglichen". Diesen Themen widmeten sich die zwölf Förderprojekte.

Bund will "Insellösungen" vermeiden

Grundsätzlich sind Länder und Kommunen für Fragen des öffentlichen Nahverkehrs zuständig. Der Bund will mit seinen Fördermaßnahmen verhindern, dass es bei der Entwicklung und Verwendung digitaler Ticket-Services zu "Insellösungen" kommt.

In 239 von 402 Kreisen und kreisfreien Städten könnten Kunden derzeit elektronische Tickets benutzen, erklärte das Ministerium unter Verweis auf Zahlen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Allerdings werden dabei zum Teil unterschiedliche Systeme eingesetzt.

Als übergreifender Standard wurde das "E-Ticket Deutschland" entwickelt, das per Chipkarte oder Smartphone genutzt werden kann. Laut Ministerium haben sich rund 370 Verkehrsunternehmen der Initiative angeschlossen. Der VDV hat etwa 600 Mitgliedsunternehmen.

"Ticket für ganz Deutschland"

Der beim VDV für das E-Ticket zuständige Manager Nils Zeino-Mahmalat sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, durch die Förderinitiative des Verkehrsministeriums könne begonnen werden, die einzelnen Systeme miteinander zu vernetzen. "Damit kommen wir dann zu einem Ticket für ganz Deutschland."

Zeino-Mahmalat mahnte allerdings zur Geduld. Die Vernetzung im öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) sei "eine der größten Herausforderungen unserer Zeit". Für kleine und mittlere Verkehrsunternehmen sei "diese digitale Revolution alleine fast gar nicht zu stemmen. Daher werden wir nicht eines Morgens aufwachen und der vernetzte ÖPV ist da."

Die Förderinitiative brachte Dobrindt Lob von ungewohnter Seite ein. "Fast zum Ende der Wahlperiode überrascht uns der Bundesverkehrsminister tatsächlich auch einmal mit einem vernünftigen Vorschlag", erklärte die Grünen-Verkehrspolitikerin Valerie Wilms. Allerdings sei es nötig, in die einheitlichen Ticket-Standards auch "andere Mobilitätsdienste wie Leihräder oder Carsharing" einzubeziehen, mahnte sie. Diese Forderung erhob auch SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. (APA, 6.1.2017)

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