Beppe Grillo schießt sich auf Italiens Medien ein

6. Jänner 2017, 15:12
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Der umstrittene Chef der Protestbewegung Fünf Sterne fordert "Volksgerichtshöfe" zur Ahndung "falscher Berichterstattung".

Beppe Grillo weiß, wie man für Furore sorgt. "Die Zeitungen und die TV-Nachrichten sind die wichtigsten Produzenten von Falschmeldungen. Sie dienen dem Machterhalt der herrschenden Klasse", bloggte er dieser Tage.

Um diese Medien besser kon trollieren zu können, fordert der Protestpolitiker nun die Einführung von "Volksgerichtshöfen", die den Wahrheitsgehalt der von den Medien verbreiteten Nachrichten überprüfen sollen. "Falls sich eine Meldung als falsch erweist, muss sich der Chefredakteur des betreffenden Mediums mit gesenktem Kopf öffentlich entschuldigen!", tönte er.

Anlass für Grillos Breitseite gegen die Medien war die Forderung mehrerer Politiker gewesen, dass der massenhaften Verbreitung von Fake-News in sozialen Netzwerken im Internet Einhalt zu gebieten sei. Grillo drehte den Spieß um, obwohl er sich angesprochen fühlen müsste: Auf seinem Blog hat er im Lauf der Jahre schon die abstrusesten Theorien verbreitet – unter anderem, dass Aids eine Erfindung der Pharmakonzerne sei, um Milliardenprofite lukrieren zu können.

Abstruse Theorien verbreitet

Das Medienportal Buzzfeed gelangte im Rahmen einer umfangreichen Analyse unlängst zu dem Schluss, dass Grillo und seine Bewegung über Blogs und soziale Netzwerke Fake-News verbreiteten, um beim "einfachen Bürger" die Empörung gegen die "Mächtigen" zu schüren – und zwar gezielt.

Grillos Idee der Volksgerichtshöfe löste in Italien eine Welle der Empörung aus. Der Zeitungsverlegerverband sprach von "Lynchjustiz", La7-Nachrichtenchef Enrico Mentana drohte kurzzeitig mit einer Klage, und die Zeitung Il Gior nale schrieb, Grillos Forderungen erinnerten an die Zensur im faschistischen Italien.

Grillos Rechtsdrall ist jedenfalls nicht mehr zu übersehen. Dass er das Wort "Lügenpresse" noch nicht in den Mund genommen hat, dürfte einzig daran liegen, dass es dafür (noch) keinen vergleichbaren italienischen Ausdruck gibt – ansonsten unterscheidet sich seine Rhetorik kaum noch von jener der deutschen Pegida. "Nicht wir sind Populisten. Die wahren Idioten, Demagogen und Populisten sind die Journalisten und Intellektuellen des Regimes, die im Sold der großen Mächte stehen. Donald Trump hat sie alle zum Teufel gejagt", hatte Grillo nach dem Wahlsieg Donald Trumps gejubelt.

Schwierige Phase für die "Grillini"

Die Radikalisierung der Protestbewegung sowie Grillos Hass auf die Medien rühren wohl auch daher, dass sich seine Fünf-Sterne-Bewegung in der schwierigsten Phase ihres Bestehens befindet: Roms Stadtregierung unter Virginia Raggi liefert beinahe täglich Negativschlagzeilen: Die unerfahrene Bürgermeisterin hat sich bisher komplett überfordert gezeigt. Ihr wichtigster Berater wurde kürzlich wegen Korruptionsverdachts festgenommen. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis auch gegen Raggi offiziell ermittelt wird. Es stimmt: Die "Systempresse" berichtet genüsslich über das Chaos in Rom – das Problem für Grillo ist nur, dass es sich dabei nicht um Fake-News handelt. (Dominik Straub, 6.1.2017)

  • Beppe Grillo will die italienischen Medien an den Pranger stellen.
    foto: reuters / remo casilli

    Beppe Grillo will die italienischen Medien an den Pranger stellen.

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