Signalmolekül identifiziert, das Blutgefäßwachstum im Gehirn bremst

7. Jänner 2017, 16:35
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Entdeckung könnte bei Behandlung schwerer Erkrankungen helfen

Zürich – Das Signalmolekül Nogo-A bremst das Wachstum von Blutgefäßen im Gehirn, wie Schweizer Forscher im "Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism" berichten. Die Erkenntnis könnte bei der Behandlung schwerer Erkrankungen helfen, etwa nach einem Schlaganfall.

Ein Hirntumor regt das Wachstum von Blutgefäßen an, um sich selbst mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Mediziner würden dieses Gefäßwachstum gerne unterdrücken, um den Tumor auszuhungern. Andererseits ist das Wachstum feiner Blutgefäße wichtig für die Regeneration von Hirngewebe, beispielsweise nach einem Schlaganfall. Um das Gefäßwachstum im Gehirn beeinflussen zu können, müssten allerdings die verantwortlichen Moleküle bekannt sein.

Wissenschafter um Thomas Wälchli von der Universität Zürich haben nun die wichtige Rolle eines Eiweißmoleküls identifiziert. Dabei geht es um das Signalmolekül Nogo-A, das bereits vor einigen Jahren als molekulare Bremse für das Nervenzellwachstum identifiziert worden war. Nun konnten Wälchli und Kollegen an Mäusen zeigen, dass es auch das Blutgefäßwachstum hemmt.

Erst wenn das Signalmolekül, das in der Membran von Nervenzellen sitzt, ausgeschaltet wird, wachsen in der Nachbarschaft Blutgefäße. Allerdings auf sehr spezifische Weise: "Wenn die Bildung von Nogo-A unterdrückt wird, bleibt das Grundgerüst der größeren Gefäße weitgehend konstant, aber dazwischen bilden sich zusätzliche Kapillaren", so Wälchli. So entstehe ein zusätzliches Netzwerk haarfeiner Blutgefäße.

Für ihre Studie verwendeten die Forscher Mäuse, bei denen sie das Gen für Nogo-A ausgeschaltet hatten. Mit neuesten Methoden gelang es ihnen, die vermehrte Kapillarbildung im Gehirn der Tiere sichtbar zu machen. In bestimmten Hirnregionen nahm die Anzahl von Hirngefäßen demnach um bis zu 50 Prozent zu und das kapillare Mikronetzwerk vergrößerte sich auf nahezu das Doppelte.

Sollten sich die Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen, sei vorstellbar, dass sich durch eine Blockade von Nogo-A die Regeneration von Hirngewebe nach einem Schlaganfall verbessern ließe, so Wälchi. Entsprechende Patente seien bereits angemeldet und vorklinische Studien im Gange.

Nogo-A könnte jedoch bereits früher in einem anderen Kontext zum Einsatz kommen: 2017 soll eine europaweit klinische Studie mit querschnittgelähmten Patienten beginnen, um eine Therapie zu testen, die das Nervenzellwachstum durch Blockade von Nogo-A anregen könnte. Sollten sich die neuen Befunde von Wälchli und Kollegen bestätigen, eröffnen sich damit weitere Anwendungsgebiete für die Nogo-A-Blockade. (APA/sda, 7. 1. 2017)

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