Kritik nach Geldstrafe für Nachrichtenmagazin in Serbien

    5. Jänner 2017, 16:36
    2 Postings

    Vorwurf der Medien: Regierung will kritische Medien mundtot machen – Geldstrafe wegen angeblicher Ehrenverletzung des Innenministers

    Belgrad – Das führende Belgrader Nachrichtenmagazin "NIN" ist wegen angeblicher Beleidigung des Innenministers zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die wenigen regierungskritischen Medien in Serbien und der Journalistenverband NUNS haben sich über den Gerichtsentscheid empört. "Die Regierung will die kritischen Medien mundtot machen", titelte die Zeitung "Danas" am Donnerstag.

    Im Schnellverfahren war "NIN" zu einer Geldstrafe von 300.000 Dinaren (2.431 Euro) verurteilt worden, weil es mit seiner Berichterstattung "das Ansehen und die Ehre" von Innenminister Nebojsa Stefanovic verletzt habe. Das Nachrichtenmagazin hatte den Minister als Verantwortlichen für die illegale Zerstörung privater Bauten in Belgrad verantwortlich gemacht. Mit der Aktion sollte Platz geschaffen werden für das von der Regierung durchgesetzte und von in- und ausländischen Experten kritisierte neue Stadtviertel "Belgrad am Wasser".

    Der nächtliche Abbruch am 24. April war von Bauarbeitern mit Strumpfmasken und Baggern ohne Nummernschilder durchgeführt worden. Obwohl Anrainer aus der Nachbarschaft die Polizei alarmiert hatten, verweigerte sie einen Einsatz. Ihnen wurden sogar die Handys abgenommen, damit sie keine Fotos machen konnten. Ein Wachmann wurde an einen Baum gefesselt und starb später unter unklaren Umständen.

    "Wir akzeptieren die Diktatur wie der Esel die Schläge", zitierte "NIN" in seiner neuesten Ausgabe am Donnerstag den serbischen Schriftsteller Ante Tomic auf der Titelseite. "NIN"-Herausgeber Milan Culibrk kündigte an, sein Magazin werde durch alle Gerichtsinstanzen gegen das Urteil vorgehen. (APA, 5.1.2017)

    Share if you care.