Astronomen rätseln über Galaxie mit zwei Ringen

6. Jänner 2017, 15:00
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Forscher entdeckten bislang einzigartige Sterneninsel in rund 360 Millionen Lichtjahren Entfernung. Wie sie entstand, ist unklar

Duluth – Galaxien können in den unterschiedlichsten Formen auftreten: Die meisten Sterneninseln bilden Ellipsen oder Spiralen bzw. Balkenspiralen wie unsere Milchstraße. Auch linsenförmige oder diffuse Galaxien sind verhältnismäßig häufig. Außerordentlich selten sind dagegen Galaxien, die aus einem Kern bestehen, der von einem Ring aus Sternen umgeben ist. Diese sogenannten Hoag-Galaxien machen nur 0,1 Prozent aller bekannten Galaxien aus. Nun jedoch berichten Astronomen in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" von der Entdeckung einer Sonderform der Hoag-Galaxien, die bisher einzigartig ist.

Die in rund 360 Millionen Lichtjahren Entfernung liegende Galaxie mit der Bezeichnung PGC 1000714 besitzt nämlich gleich zwei Sternenringe. Wie Wissenschafter um Burcin Mutlu-Pakdil von der University of Minnesota Duluth anhand von Multispektralaufnahmen der Galaxie feststellen konnten, besteht der äußere Ring aus blauen, sehr jungen Sternen. Kaum einer davon dürfte älter als 130 Millionen Jahre sein.

Unerwarteter zweiter Ring

Das Zentrum der Galaxie bildet ein Kern aus roten und sehr alten Sternen, deren Durchschnittsalter rund 5,5 Milliarden Jahre beträgt. Zwischen diesen beiden Strukturen stießen die Wissenschafter zu ihrer Überraschung auf einen weiteren Ring aus ebenfalls rötlich leuchtenden Sternen. "Galaxien mit einem blauen Ring um einen roten Kern wurden bereits zuvor beobachtet", erklärt Koautor Patrick Treuthardt vom North Carolina Museum of Natural Sciences. "Diese Galaxie dagegen besitzt einen weiteren diffusen, rötlichen Ring – und dieses Merkmal ist bislang einmalig."

Wie PGC 1000714 zu seinem zweiten Ring kam, ist unklar, doch die Forscher haben zumindest eine Theorie für den jüngeren Ring: "Die unterschiedlichen Farben der beiden Strukturen deutet darauf hin, dass die Galaxie zwei Entstehungsphasen durchlaufen hat", erklärt Mutlu-Pakdil. Demnach könnte der äußere Ring von einer gasreichen Zwerggalaxie stammen, die sich PGC 1000714 einst einverleibt hat. Woher der wesentlich ältere innere Ring kam, bleibt dagegen ein Rätsel. Eine Antwort auf diese Frage erhoffen sich die Forscher von weiteren Infrarotaufnahmen mit höherer Auflösung. (red, 6.1.2017)

  • Auf diesem Falschfarbenbild von PGC 1000714 ist nur der äußere Sternenring deutlich zu erkennen.
    foto: ryan beauchemin

    Auf diesem Falschfarbenbild von PGC 1000714 ist nur der äußere Sternenring deutlich zu erkennen.

  • Erst die Multispektralaufnahme lässt den inneren, älteren Ring hervortreten. Wie die Galaxie zu dieser Struktur kam, ist noch unklar.
    foto: ryan beauchemin

    Erst die Multispektralaufnahme lässt den inneren, älteren Ring hervortreten. Wie die Galaxie zu dieser Struktur kam, ist noch unklar.

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