Warum auf einem Begräbnis in Taiwan 50 Tänzerinnen auftraten

5. Jänner 2017, 14:56
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Erotische Tanzdarbietungen auf Trauerfeiern haben in China Tradition

Die am Donnerstag veröffentlichten Bilder des Begräbnisses eines taiwanesischen Provinzpolitikers irritieren. Statt um den verstorbenen Bezirkshauptmann Tung Hsiang zu trauern, jubeln Hinterbliebene und Passanten etwa 50 jungen Frauen zu, die spärlich gekleidet auf Autodächern tanzen.

Der Sohn des Verstorbenen erklärte laut chinesischen Medienberichten, er habe die Veranstaltung mit mehreren Blasmusikkapellen und Trommlerzügen, über hundert Importautos und den erwähnten Tänzerinnen organisiert, weil sein Vater auch zu Lebzeiten gern gefeiert habe und er ihm so einen fröhlichen Abschied bereiten wolle. An dem Begräbnis nahm auch der ehemalige Qinmindang-Präsidentschaftskandidat James Soong teil.

shanghaiist

Die mit großen Lautsprechern ausgestatteten Jeeps sind in Taiwan als "Electric Flower Cars" bekannt, berichtet Manya Koestse auf "Whats on Weibo". Tänzerinnen auf Begräbnissen sind dort seit Anfang der 90er Jahre dokumentiert, die "erotische Bestattung" gilt dem Artikel zufolge als Statussymbol.

foto: apa/afp
Begräbnis in Chiayi City

Auf dem chinesischen Festland ist die Tradition jünger: Laut "Wall Street Journal" berichtete das Fernsehmagazin "jiao dian fang tan" ("Brennpunkt") erstmals 2006, dass in der ostchinesischen Provinz Jiangsu Tänzerinnen engagiert würden, um möglichst viele Begräbnisgäste anzulocken.

Solche Darbietungen "verschmutzten" lokale Bräuche, warnte das Staatsfernsehen damals, den Tanzgruppen, die 2.000 Yuan (275 Euro) pro Auftritt kassierten, seien nur ihre Einnahmen wichtig, darüber, ob ihre Auftritte legal oder angemessen seinen, dächten sie nicht besonders viel nach. (red, 5.1.2017)

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