Nasa kündigte zwei neue Asteroidenmissionen an

Video5. Jänner 2017, 15:39
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2021 und 2023 starten Missionen zu den rätselhaften Trojanern des Jupiters und zum Metallasteroiden (16) Psyche, der dem Erdkern ähneln dürfte

Washington – Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will im kommenden Jahrzehnt zwei neue Asteroidenmissionen starten, die "neue Fenster zur Frühphase unseres Sonnensystems" aufstoßen sollen. Wie die Nasa mitteilte, sollen die "Lucy" und "Psyche" genannten Unternehmungen 2021 beziehungsweise 2023 starten. Sie wurden in einer finalen Antragsrunde aus fünf Missionsvorschlägen ausgewählt.

nasa

Mysteriöse Begleiter

Das Raumschiff Lucy soll 2021 Richtung Jupiter aufbrechen und ab 2027 insgesamt sechs seiner rätselhaften Trojaner untersuchen. Dabei handelt es sich um Asteroiden, die durch die Schwerkraft des Planeten in zwei Schwärmen gefangen sind und die Sonne auf dessen Bahn umkreisen. Die Trojaner sind vermutlich Relikte aus einer sehr frühen Epoche der Geschichte des Sonnensystems.

"Das ist eine einzigartige Gelegenheit", sagte der wissenschaftliche Missionsleiter Harold Levison vom Southwest Research Institute in Boulder, Colorado. "Weil die Trojaner Reste des Urmaterials sind, das die äußeren Planeten bildete, müssen sie wichtige Informationen zur Entschlüsselung dieser Phase enthalten." Benannt ist die Mission nach dem wohl berühmtesten Vormenschen: Lucy. Denn wie auch das Fossil des Australopithecus afarensis werde die Mission "das Verständnis unserer Herkunft revolutionieren", hofft Levinson.

Reise zu einem Planetenkern

Psyche soll hingegen 2023 zu einem der massivsten Objekte im Asteroidengürtel starten, dem riesigen Metall-Asteroiden (16) Psyche. Der Asteroid besteht zum Großteil aus Eisen und Nickel und dürfte in seiner Zusammensetzung dem Erdkern stark ähneln. Forscher rätselten bereits seit längerem, ob es sich bei Psyche um den Kern eines Protoplaneten in der Größe des Mars handeln könnte, dessen äußere Gesteinsschichten vor Milliarden von Jahren durch massive Kollisionen mit Asteroiden abgesprengt worden waren.

illustration: swri and ssl/peter rubin
Künstlerische Darstellung der Missionen Lucy (links) und Psyche (rechts).

"Die Mission bietet uns die Chance, eine neue Welt zu erforschen – keine aus Gestein oder Eis, sondern aus Metall", sagte die wissenschaftliche Leiterin der Psyche-Mission Lindy Elkins-Tanton von der Arizona State University in Tempe. Die Mission soll 2030 bei ihrem nach der Gattin des griechischen Gottes Eros benannten Ziel ankommen. "(16) Psyche ist das einzige bekannte Objekt seiner Art im Sonnensystem. Dort hinzufliegen ist der einzige Weg, den sonst unerreichbaren Kern eines Gesteinsplaneten zu untersuchen."

Kein Besuch für Venus

"Die beiden Entdeckungsmissionen sind Teil unserer größeren Strategie, die Ursprünge des Sonnensystems zu erforschen", sagte der Nasa-Forscher Jim Green. "Lucy wird Überreste aus dem äußeren Sonnensystem untersuchen, während Psyche das Innere eines planetaren Körpers beobachten wird. Diese Teile des Puzzles helfen uns zu verstehen, wie sich die Sonne und die Planeten gebildet und entwickelt haben."

Das Nachsehen hatte dabei die Venus: Zwei vorgeschlagene Missionen zum drittkleinsten Planeten des Sonnensystems wurden zugunsten der Asteroiden abgelehnt. "Was kann ich sagen? Es ist zutiefst enttäuschend", sagte Robert Grimm vom Southwest Research Institute in Boulder, Colorado, der eine Venus-Forschungsgruppe der Nasa leitet. (red, 5. 1. 2017)

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