Sturmtief: Hochwasser in Deutschland, Schnee in Athen

5. Jänner 2017, 16:16
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Probleme durch vollgelaufene Straßen und Keller – Feuerwehren im Dauereinsatz

Lübeck – Das Sturmtief "Axel" hat Deutschland mit Wucht getroffen. An der Ostsee gab es Überflutungen, im Süden Schneechaos und in fast allen Bundesländern wetterbedingte Unfälle. Während Sturm und Hochwasser ausgestanden sind, wird es nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) nun bitterkalt. In der Nacht auf Freitag fallen die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt.

In Lübeck, Eckernförde, Neustadt in Holstein, Flensburg, Rostock, Stralsund, Wismar und anderen Orten überflutete die Ostsee am Mittwochabend Straßen in Ufernähe, teils erreichte das Wasser Häuser und Geschäfte. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Laut Sturmflutwarndienst des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) handelte es sich um das schwerste Hochwasser an der deutschen Ostseeküste seit rund zehn Jahren.

Tief "Axel" bringt Schnee an Bosporus und nach Athen

"Axel" bringt derzeit nicht nur sibirische Kälte nach Mitteleuropa, sondern ab Samstag auch Schnee an den Bosporus und auf die Akropolis. Wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach am Donnerstag sagte, drohen auf dem Balkan "blizzardähnliche Stürme".

Bis Mitte der kommenden Woche werde sich der Sturm voraussichtlich auf dem östlichen Mittelmeer und vor allem an der Adria-Küste austoben. "Das könnte einer der größten Winterorkane der letzten Jahre werden", warnte Wetterdienst-Sprecher Uwe Kirsche.

Minusgrade werden in Istanbul, Neapel und Athen erwartet. In der kroatischen Küstenstadt Dubrovnik könnte es nachts sogar minus acht Grad kalt werden. Bis zu 20 Zentimeter Schnee sind in Istanbul möglich, für Athen zeichnet sich den Berechnungen zufolge eine dünne Schneedecke ab. Im Hinterland von Serbien und Montenegro sinken die Temperaturen nachts auf minus 15 bis minus 20 Grad, auf den Bergen dürfte es sogar minus 25 Grad kalt werden.

Tödlicher Unfall wegen Glatteises

In Bayern ereigneten sich bei Glatteis, Schneetreiben und Wind laut Polizei innerhalb von 24 Stunden mehr als 300 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Die meisten endeten glimpflich, es gab aber Verletzte. Aus Baden-Württemberg, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und anderen Bundesländern meldete die Polizei am Donnerstag ebenfalls Unfälle im Zusammenhang mit den Wetterverhältnissen. In Willich in Nordrhein-Westfalen kam in der Nacht ein 20-Jähriger bei Glatteis mit seinem Wagen von der Straße ab und starb.

In der Lübecker Altstadt und an der sogenannten Travemünder Flaniermeile sicherte die Feuerwehr nach eigenen Angaben mehrere Gebäude vor eindringendem Wasser. In Neustadt in Holstein sowie Küstenorten auf der Insel Fehmarn liefen laut Einsatzkräften einige Keller von Häusern in Hafennähe voll.

Auch in Eckernförde, Laboe, Rostock, Stralsund und anderen Orten überspülte das Wasser Straßen, Feuerwehrleute sowie Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks errichteten Sandsacksperren, sicherten Deichanlagen und pumpten Wasser ab. Menschen kamen jedoch nirgendwo zu Schaden. Die Folgen der Sturmflut blieben letztlich überall überschaubar.

Pegelstand auf bis zu 1,80 Meter gestiegen

Bei Zempin auf der Insel Usedom riss das Ostseehochwasser nach Angaben eines Sprechers des Landkreises Vorpommern-Greifswald "große Stücke" der Steilküste sowie des Strands weg. Stiegenaufgänge, Wege und ein Imbiss wurden ebenfalls zerstört. Wohngebäude waren zu keiner Zeit bedroht.

Die Pegelstände stiegen an einigen Orten auf bis zu 1,80 Meter über dem mittleren Wasserstand. Vorhergesagt waren 1,50 bis 1,60 Meter. Das letzte Mal seien solche Werte bei einem Hochwasser im November 2006 erreicht worden, erklärte eine Sprecherin des BSH-Sturmflutwarndiensts in Rostock. Den Höhepunkt erreichte das Hochwasser am späten Mittwochabend, danach gingen die Pegelstände kontinuierlich zurück. (APA, 5.1.2017)

  • Ein mit Schnee bedecktes Auto stand Mittwochnacht in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern im Hochwasser. Mit dem Sturmtief Axel erwartet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eine Sturmflut mit Höchststände von etwa 1,5 Meter über Normal an der gesamten deutschen Ostseeküste.
    foto: apa/jens büttne

    Ein mit Schnee bedecktes Auto stand Mittwochnacht in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern im Hochwasser. Mit dem Sturmtief Axel erwartet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie eine Sturmflut mit Höchststände von etwa 1,5 Meter über Normal an der gesamten deutschen Ostseeküste.

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