Stärkste Ostsee-Sturmflut in Deutschland seit 2006

5. Jänner 2017, 06:01
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Viele Überflutungen und Schäden in Norddeutschland

Rostock/Lübeck/Greifswald – Die stärkste Sturmflut an den deutschen Ostseeküsten seit 2006 hat in den Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu zahlreichen Überschwemmungen und Schäden geführt. Betroffen waren am Mittwochabend etwa Kiel, Lübeck, Rostock, Warnemünde, Flensburg, Eckernförde, Wismar und Usedom. Mit sinkenden Wasserständen wurde erst nach Mitternacht gerechnet.

Nicht nur auf Rügen wurden einzelne Deiche überspült, unter Wasser gesetzte Autos mussten abgeschleppt werden. Häuser in Strandnähe liefen teils voll. Teils wurden auch Boote wegen der Sturmflut auf Stege gedrückt.

Stärkste Flut seit 2006

Vor Mitternacht war der Höhepunkt der Flut an vielen Orten erreicht – die Pegelstände lagen meist zwischen 150 und 170 Zentimeter höher als üblich, in Lübeck wurden 1,79 Meter und in Wismar sogar 1,83 gemessen, wie auf "Pegel Online" registriert wurde. "Es war die stärkste Sturmflut seit 2006", sagte Jürgen Holfert, Leiter des Wasserstanddienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), in der Nacht.

In Lübeck wurden mindestens acht Autos aus überfluteten Flächen gezogen. Zugänge zur Altstadt waren für Fußgänger nicht mehr passierbar. Der Einsatzstab in Lübeck sei kurzfristig personell verstärkt worden wegen zunehmender Notrufe, sagte Matthias Schäfer von der Feuerwehr Lübeck. "Viele Leute hatten ihre Häuser nicht genügend gesichert, wir mussten mit Sandsäcken die Objekte schützen." Unklar war am Abend, ob das Holstentor wie schon bei früheren Hochwassern ebenfalls von Wassereinbruch betroffen sein würde.

Straßen über Kilometer gesperrt

In Rostock entlang der Warnow waren viele Häuser auf einem Bereich von zwei Kilometern gefährdet. Die Straße am Strande war über mehrere Kilometer wegen des Hochwassers gesperrt, in Häuser drang Wasser ein.

Auf der Insel Rügen überspülte das Hochwasser eine Straße und schnitt einen Ortsteil von der Hauptgemeinde Gager ab. Das Wasser stehe rund 40 Zentimeter auf der Zufahrtsstraße, sagte der Kreisfeuerwehrchef von Vorpommern-Rügen, Gerd Scharmberg. Zudem sei auf Mönchgut-Granitz ein Deich auf etwa 100 Meter Länge überflutet worden. Menschen seien nicht gefährdet, hinter dem Deich lägen Wiesen. Rund 120 Feuerwehrleute seien dort alarmiert worden.

In Wismar liefen am Abend im Hafenbereich der Altstadt einige Keller voll, wie Stadtsprecher Marco Trunk sagte.

Alarmstufe drei

Auf der Insel Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden. Es wurde dort die Alarmstufe drei ausgerufen. Zwischen Koserow und Zempin habe es Steiluferabbrüche gegeben. Treppenaufgänge, Imbissbuden und Teile von Strandpromenaden seien weggerissen worden, sagte der Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim. "Das ist schlimmer als erwartet." Das Hochwasser steige noch weiter, der Scheitelpunkt werde auf Usedom erst gegen Mitternacht erwartet.

In Heiligenhafen, das bei der Sturmflut 2006 stark getroffen wurde, bewährte sich nach Angaben von Bürgermeister Heiko Müller das seitdem aufbaute Hochwasserschutzsystem. Am Nordstrand wurde erst im Herbst aufgeschütteter Sand vom aufgewühlten Meer weggespült. "Das ist alles futsch", sagte Müller. Das Wasser stand nur noch einen Meter unter der Deichkrone.

In Kiel wurde die Uferstraße an der Förde teils überschwemmt.

Pegelstände sollen wieder sinken

Tief "Axel" sollte von Skandinavien in der Nacht quer über die Ostsee weiter nach Weißrussland ziehen. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia sollte der Wind, der am Mittwoch mit Spitzen von Stärke 9 bis 11 über die Küste peitschte, am Abend von Nordwest auf Nord und Nordnordost drehen und langsam abflauen. In den vergangenen Tagen war besonders viel Wasser aus der Nordsee in die Ostsee gespült worden, sodass die Ostsee mehr Wasser führte als normal. Am frühen Morgen sollten die Pegelstände wieder sinken. (APA/dpa, 5.1.2017)

  • Auf der Ostsee vor Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern türmen sich große Wellen auf, für die das Sturmtief "Axel" sorgt.
    foto: dpa / wüstneck

    Auf der Ostsee vor Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern türmen sich große Wellen auf, für die das Sturmtief "Axel" sorgt.

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