Eine bedrohte Nomadin lässt sich nieder

4. Jänner 2017, 18:28
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Lederschildkröten legen auf ihren Wanderungen enorme Distanzen zurück. Nun entdeckten Forscher eine Population vor Mosambik, die sich dauerhaft angesiedelt hat

Ithaca/Wien – Lederschildkröten sind kolossale Kosmopoliten. Die größten Schildkröten der Erde bevölkern zwar bevorzugt tropische und subtropische Gefilde, legen auf ihren ausgedehnten Hochseewanderungen aber oft Tausende von Kilometern zurück. Ihre Routen führen sie bis vor die Küsten Alaskas oder Norwegens, an die Südspitze des afrikanischen Kontinents oder Neuseelands. Kein anderes Reptil hat einen derart ausgedehnten Lebensraum.

Doch nun machten Forscher der Cornell University in Ithaca eine bemerkenswerte Entdeckung: In einer Küstenregion vor Mosambik scheint sich eine Gruppe von Lederschildkröten dauerhaft niedergelassen zu haben. Wie die Biologen um Stephen Morreale im Fachblatt Scientific Reports berichten, leben die Tiere offenbar ganzjährig in einem begrenzten Gebiet der Straße von Mosambik.

Seichte Heimat

Für ihre Studie statteten Morreale und Kollegen 16 weibliche Lederschildkröten, die in Südafrika brüteten, mit Sendern aus. Wie erwartet, brachen einige der Tiere anschließend zu Weltreisen auf und legten fast 10.000 Kilometer zurück. Acht Tiere der Brutkolonie schwammen aber quasi nur um die Ecke in die Meerenge zwischen Mosambik und Madagaskar.

"Die vermeintlich nomadischen Migranten haben sich hier versammelt und scheinen ganzjährig zu bleiben – das ist wirklich erstaunlich", sagte Morreale. Chemische Analysen von Hautschuppen bestätigten den langfristigen Aufenthalt in seichten Gewässern. Die Forscher nehmen an, dass dies auch auf weitere Exemplare in der Meerenge zutrifft.

Gefährdete Riesen

Demnach sei die Region mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Lebensraum für die Lederschildkröten, die in Südafrika nisten. Für den Artenschutz sei die lokale Verbreitung eine große Chance, so Morreale: "Die enormen Distanzen, die diese gefährdeten Tiere sonst oft zurücklegen, machen Schutzmaßnahmen und deren Überwachung schwierig – lokal begrenzte Schutzräume wären einfacher durchzusetzen."

Die weltweiten Bestände der Lederschildkröten sind stark bedroht. Vor allem die Verschmutzung der Meere, die Fischerei und der Klimawandel machen ihnen schwer zu schaffen. (dare, 4.1.2017)

  • Lederschildkröten können bis zu 2,20 Meter lang und 700 Kilogramm schwer werden. Das schwerste je gewogene Exemplar brachte es gar auf über 900 Kilo.
    foto: picturedesk

    Lederschildkröten können bis zu 2,20 Meter lang und 700 Kilogramm schwer werden. Das schwerste je gewogene Exemplar brachte es gar auf über 900 Kilo.

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