Wie Donald Trumps Tochter dessen Frauenproblem lösen soll

6. Jänner 2017, 12:32
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Ivanka Trump könnte mächtige Präsidententochter werden und auch First-Lady-Aufgaben übernehmen

Kurz nach der US-Wahl am 8. November griff Nancy Pelosi, Vorsitzende der demokratischen Fraktion im US-Repräsentantenhaus, zum Hörer, um das Gespräch mit dem frisch gewählten Präsidenten Donald Trump zu suchen. Sie sprachen über Innenpolitik, über Infrastruktur – und hätte das Telefonat hier sein Ende gefunden, wäre davon vermutlich nie wieder die Rede gewesen. Doch irgendwann sprach Pelosi das Thema Frauen an, schließlich hatte der Wahlkampf gezeigt, dass die Beziehung zwischen Trump und den Frauen nicht eben die einfachste ist.

Trump allerdings ging auf die Frage nicht weiter ein, er tat stattdessen etwas Unerwartetes: Er reichte den Hörer seiner Tochter Ivanka Trump weiter. Um sich bewusst zu werden, wie erstaunlich diese Reaktion ist, reicht ein Gedankenspiel: Man stelle sich vor, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wird auf ein Thema angesprochen, das in erster Linie Männer angeht – und diese verweist daraufhin für alle weitere Fragen schlichtweg auf ihren Ehemann.

Wichtige Beraterin

Doch die 35-jährige Ivanka Trump dürfte in Zukunft nicht nur mächtige Präsidententochter sein. Bisher häufen sich die Hinweise, dass sie auch die gesellschaftlichen Funktionen der First Lady übernehmen könnte – inklusive Räumlichkeiten im Weißen Haus, nachdem Trumps Ehefrau Melania vorerst nicht ins Oval Office ziehen möchte.

Jetzt schon ist Ivanka Vizechefin des Trump-Konzerns, eine der Hauptberaterinnen des zukünftigen Präsidenten und hat als solche bereits an Treffen mit ausländischen Präsidenten oder Silicon-Valley-Chefs teilgenommen. Doch Ivanka Trump ist noch viel mehr: Im Wahlkampf hat sie wiederholt ihr Interesse an Frauen- und Umweltthemen geäußert. Damit nimmt sie sich also der Themen an, für die ihr Vater entweder kein Interesse gezeigt hat oder bei denen er mit seinen Positionen auf heftigen Widerstand stieß.

Viele Frauen für Trump

Donald Trump hat weiterhin ein Frauenproblem, auch wenn sich dieses am Ende als ein kleineres herausgestellt hat, als es nach seinen frauenfeindlichen Sprüchen im Wahlkampf angenommen worden war. Insgesamt haben Amerikanerinnen zwar mehrheitlich für Hillary Clinton gestimmt. Nicht jedoch weiße Frauen ohne College-Abschluss: Diese Gruppe nämlich hat in erster Linie Trump gewählt und das Ergebnis damit wesentlich zu seinen Gunsten gedreht.

Ivanka Trumps Kampf für die Gleichstellung von Frauen kommt nach allem, was sie bisher über ihre Vorstellungen von Kinderbetreuung und Mutterschutz verraten hat, nur bestimmten Gruppen zugute: Mutterschutz etwa sollen nur biologische Mütter von natürlich geborenen Kindern erhalten, Männer sind nicht für die Karenz vorgesehen, homosexuelle Paare und Adoptiveltern ebenso wenig.

Vermeintlicher Feminismus

Um ihre Modelinie zu bewerben, greift Ivanka zwar gern auf vermeintlich feministische Werbebotschaften und Hashtags wie #WomenWhoWork zurück. Bei genauem Hinsehen bleibt davon in der Realität allerdings nicht viel über: Produzieren ließ sie diese Kleidung etwa in einem Unternehmen, das seinen Arbeiterinnen keinen Mutterschutz anbietet. (giu, 5.1.2017)

  • Ivanka Trump während des US-Wahlkampfs.
    foto: afp / robyn beck

    Ivanka Trump während des US-Wahlkampfs.

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