Was US-Universitäten unter Trump zu befürchten haben

    Kommentar der anderen4. Jänner 2017, 16:30
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    In der Bildungspolitik sind Budgetkürzungen zu erwarten, Studierenden droht die Ausweisung

    Die Wahl von Donald Trump hat die amerikanische Universitätslandschaft zutiefst erschüttert. Mit seinem Wahlsieg hatte besonders die Bildungsschichte nicht gerechnet. Unter der Professorenschaft gab es landesweit nur eine kleine Gruppe von Trump-Unterstützern, die mit wenig Erfolg versuchten, ihre Position mit rationalen Argumenten zu unterstützen.

    Amerikanische Universitäten und deren Bedienstete sind mit wenigen Ausnahmen progressiv eingestellt. Dass jemand wie Trump, der selbst eine Scheinuniversität, die Trump University, gegründet und damit etliche Studierende finanziell geschädigt hatte, Präsident des Landes werden konnte, ist nur sehr schwer nachzuvollziehen. Verglichen mit den schwerwiegenden Einwänden, die man gegen eine Trump-Präsidentschaft eingebracht hat und noch weiter einbringt, ist das Debakel der Trump University nur eine Nebensächlichkeit.

    Antiintellektuelle Tendenzen

    Dass Trump für Bildung nichts übrig hat, hat er weitgehend demonstriert. Das war natürlich auch mit ein Grund, warum er hauptsächlich von Amerikanerinnen und Amerikanern gewählt wurde, die nie eine Universität besucht haben. Die antiintellektuellen Tendenzen in den USA haben mit Trumps Wahl wieder einen Aufschwung erlebt, was sich auch auf die Bildungspolitik auswirken wird, weil nun der amerikanische Kongress, der republikanisch dominiert wird, höchstwahrscheinlich mit Trumps Unterstützung die Budgets der staatlichen Universitäten kürzen wird. Mit der Ernennung von Betsy DeVos zur Bildungsministerin, die wenig vom staatlichen Bildungssystem hält und auf sogenannte Vetragsschulen ("Charter Schools") setzt, hat Trump bereits signalisiert, in welche Richtung die Bildungspolitik gehen wird.

    Dass Trump mit Kritik und freier Meinungsäußerung wenig anfangen kann, stellt er regelmäßig unter Beweis. Besonders hat es ihm Alec Baldwin angetan, der Trump nur wenig übertrieben für die politische Kabarettsendung Saturday Night Live mimt. Trump hat bereits mehrmals gedroht, Baldwin für die nur mäßig zugespitzte Darstellung von Trumps Dummheiten gerichtlich zu verklagen. Nicht wenige Universitätsprofessorinnen und -professoren haben berechtigterweise Angst, dass in den nächsten vier Jahren die akademische Freiheit deutlich eingeschränkt werden könnte. Ähnliche Bedenken werden auch vom PEN-Club in den USA geäußert.

    Trump stellt darüber hinaus eine Gefahr für Studierende und deren Familien dar, die sich ohne Papiere bzw. illegal im Land aufhalten, hat er doch angedroht, Millionen von illegalen Immigrantinnen und Immigranten zu deportieren. Präsident Obama gab 2012 jenen, die als Kinder mit ihren Eltern illegal ins Land kamen und nun illegal im Land sind, eine Möglichkeit, in den USA zumindest temporär zu bleiben, zu arbeiten und zu studieren. Von dem sogenannten "Deferred Action for Childhood Arrivals (DACCA)"-Programm haben etwa 750.000 Gebrauch gemacht.

    Um ein erneuerbares DACCA-Zweijahresvisum zu bekommen, mussten sich Bewerberinnen und Bewerber registrieren lassen. Da Trump schon während des Wahlkampfs verkündet hatte, dieses Programm sofort nach seinem Amtsantritt zu beenden, fürchten nun hunderttausende Studierende eine baldige Abschiebung.

    Aus diesem Grund haben New York, Boston, Washington und Chicago angekündigt, dass sie zu "sanctuariy cities" werden, wo illegale Einwanderer Unterschlupf finden können. Auch zahlreiche Universitäten wollen verhindern, dass Trumps Regierung erfährt, ob bei ihnen Studierende, die illegal im Land sind, inskribiert sind. Insgesamt handelt es sich um mehr als weitere 200.000 Studierende landesweit, die nicht im DACCA-Programm sind und nicht im Land sein dürften.

    Während sich zahlreiche Universitätspräsidentinnen und -präsidenten dafür ausgesprochen haben, die Studierenden vor Deportationen schützen zu wollen, haben sich die Eliteuniversitäten Harvard und Princeton dagegen entschieden, weil es keine gesetzliche Grundlage für "sanctuary campuses" gebe. Außerdem sei damit zu rechnen, dass die Regierung die Universitäten finanziell unter Druck setzen werden, sodass diese die gewünschten Informationen früher oder später ohnehin an den Staat weiterleiten werden.

    An zahlreichen amerikanischen Universitäten finden Veranstaltungen statt, die versuchen, die aufgebrachten Lehrenden und Studierenden zu beruhigen. Auch wenn der ungeheure Rechtsruck nicht schlagartig das Land verändern wird, so sind nicht nur Untergangspropheten davon überzeugt, dass Trumps Präsidentschaft auch die Bildungslandschaft massiv in Mitleidenschaft ziehen wird. (Gregor Thuswaldner, 4.1.2017)

    Gregor Thuswaldner (geb. 1973 in Salzburg) ist Dean of Arts and Sciences und Professor of Humanities an der North Park University in Chicago, Mitglied der PEN-Clubs in Österreich und den USA sowie Vice-President-elect der Austrian Studies Association.

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